Die geistige Botschaft unserer alten Märchen

Der Geist im Glas - Ist Homöopathie Betrug?

Der Geist im Glas

Märchentext der Gebrüder Grimm [1857]
Interpretation von Undine & Jens in Grün [2020]

Es war einmal ein armer Holzhacker, der arbeitete vom Morgen bis in die späte Nacht. Als er sich endlich etwas Geld zusammengespart hatte, sprach er zu seinem Jungen: »Du bist mein einziges Kind, ich will das Geld, das ich mit saurem Schweiß erworben habe, zu deinem Unterricht anwenden. Lernst du etwas Rechtschaffenes, so kannst du mich im Alter ernähren, wenn meine Glieder steif geworden sind und ich daheimsitzen muß.«

Dieses Märchen behandelt im Prinzip das gleiche Thema, wie das vorhergehende von Doktor Allwissend, aber aus einer etwas anderen Sicht, die uns irgendwie „moderner“ erscheint. Denn der Vater ist hier nicht mehr das große Ziel und Vorbild im Leben, sondern mit sich unzufrieden und lebt ein Leben, das er seinem eigenen Sohn nicht mehr wünscht. Das ist seltsam. Er versucht nicht, sein Leben zu ändern, wie Doktor Allwissend, sondern setzt seine Hoffnung allein auf den Sohn, der ihn glücklich machen und im Alter ernähren und erhalten soll. Mit dieser Absicht investiert er seine ganze Kraft in Geld, um seinem Sohn weltliches Wissen zu kaufen, das die leidvolle Armut beenden soll.

Damit wandelt sich die übliche Vatersymbolik von einem Pluspol, der den Sohn bisher anzog, zu einem Minuspol, der den Sohn abstößt. Das ist wirklich seltsam und interessant. Wie modern diese Umkehr ist, erkennt man heute in vielen Dokumentarfilmen über irgendwelche kleinen Dörfer oder Völker irgendwo am Rande der Welt, wo man auf den üblichen Spruch warten kann: „Unsere Kinder müssen in die modernen Schulen der Städte gehen, damit sie lernen, ein besseres und vor allem reicheres Leben zu führen.“ Ihr naturnahes Leben, das ihnen über viele hunderte oder sogar tausende Jahre Kultur, Weisheit und Sinn gegeben hat, wollen sie für ein künstliches Leben im Chaos moderner Städte opfern. Das ist eine wunderliche Hoffnung, über die man einmal nachdenken sollte. Warum können die Eltern ihre Kinder nichts Sinnvolles mehr lehren, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen können? Welches Monopol besitzen die Schulen in der Stadt auf ein Wissen, das man kaufen muß? Und was ist das für ein besonderes Wissen, womit man in unserer modernen Welt „reich“ werden kann?

Dafür trennen sich die Kinder von ihren Eltern, zuerst geistig, weil die Eltern keine Vorbilder mehr sind, und dann körperlich, weil sie die Familien verlassen und in die Städte wandern, um dort die Rollen zu spielen, die sie in der modernen Schule gelernt haben. Entsprechend enden die erwähnten Dokumentarfilme gewöhnlich im großen Gejammer, daß die alten Traditionen verschwinden, eine reichhaltige Kultur erlischt, und das Leben im alten Dorf einsam und trostlos wird.

Da ging der Junge auf eine hohe Schule und lernte fleißig, so daß ihn seine Lehrer rühmten, und blieb eine Zeitlang dort. Als er ein paar Schulen durchgelernt hatte, doch aber noch nicht in allem vollkommen war, so war das bißchen Armut, das der Vater erworben hatte, draufgegangen, und er mußte wieder zu ihm heimkehren. »Ach,« sprach der Vater betrübt, »ich kann dir nichts mehr geben und kann in der teuren Zeit auch keinen Heller mehr verdienen als das tägliche Brot.« »Lieber Vater,« antwortete der Sohn, »macht Euch darüber keine Gedanken, wenn’s Gottes Wille also ist, so wird’s zu meinem Besten ausschlagen. Ich will mich schon drein schicken.«

Na, zum Glück reichte das Geld nicht aus, und der Sohn kehrte noch einmal zum Vater zurück. Über die Art der Schule wird nicht viel berichtet. Angesichts des gelernten Gottvertrauens könnte man an eine Klosterschule denken. Daß man für Wissen etwas leisten muß, ist eine uralte und eigentlich selbstverständliche Tradition. So hat man sich früher das Wissen als Knechte, Mägde und Lehrlinge noch persönlich „verdient“. Erst später, vielleicht ab dem 13. Jahrhundert, gab es Schulen, wo man sich das Wissen auch für das Geld der Eltern „aneignen“ konnte. Und erst mit der Schulpflicht wurde um 1900 auch das Schulgeld abgeschafft und über die Steuereinnahmen des Staates finanziert. Das war sicherlich eine große soziale Errungenschaft, aber seitdem spricht man auch weniger vom „Verdienen“ und „Aneignen“ sondern vom zwangsweisen „Eintrichtern“. Entsprechend gibt es bereits Zukunftsvisionen, wie sich das Wissen gleich elektronisch ins Gehirn laden läßt, um jede Menge Zeit und Lehrer zu sparen. - Aber gut, das gab es alles in unserem Märchen noch nicht, und der Sohn mußte am Ende des Geldes zum Vater zurückkehren.

Als der Vater hinaus in den Wald wollte, um etwas am Malterholz (am Zuhauen und Aufrichten) zu verdienen, so sprach der Sohn: »Ich will mit Euch gehen und Euch helfen.« »Ja, mein Sohn,« sagte der Vater, »das sollte dir beschwerlich ankommen, du bist an harte Arbeit nicht gewöhnt, du hältst das nicht aus. Ich habe auch nur eine Axt und kein Geld übrig, um noch eine zu kaufen.« »Geht nur zum Nachbar,« antwortete der Sohn, »der leiht Euch seine Axt so lange, bis ich mir selbst eine verdient habe.«

Der Begriff Malterholz stammt vermutlich aus dem Harz bzw. Thüringer Wald und wurde für einen bestimmten Stapel Brennholz für die Hüttenwerke bzw. Holzkohlenmeiler verwendet. Die Symbolik des Brennholzes kennen wir bereits von Doktor Allwissend. Das denkwürdige Prinzip von Brennholz findet man auch in allen sogenannten fossilen Brennstoffen wie Kohle, Torf, Erdgas und Erdöl. Praktisch ist es Energie, die Pflanzen und Tiere in ihren Körpern in Form von Kohlenstoffverbindungen angesammelt haben. Das ist interessant, und man sagt, unsere ganze technische Revolution wurde erst durch die Erschließung der fossilen Brennstoffe möglich. Wenn wir heute also Auto fahren oder unsere Wohnung heizen, dann verbrennen wir quasi die Leichen von Lebewesen, die sich über Millionen Jahre auf dieser Erde angesammelt haben. Und wenn wir so weiter machen, schaffen wir es in wenigen Jahren, all diese angesammelte Energie zu verbrennen. Doch irgendwie scheint sich die Natur im Ganzen nicht besonders darüber zu freuen.

Der Holzhacker geht sogar noch weiter und fällt lebendige Bäume, um daraus Brennholz zu machen. Er tötet andere, um sich selbst zu erhalten. Das ist nichts Ungewöhnliches in dieser Welt. Dahinter steckt ein Wesen, das wir „Ichbewußtsein“ nennen. Und dieses Ichbewußtsein braucht die Energie „der Anderen“, um sich geistig und körperlich selbst zu erhalten. So wird das Brennholz auch als Symbol für das Wissen verwendet, das zu diesem Zweck „persönlich“ angesammelt wird. Im Hinduismus spricht man diesbezüglich von Karma und im Christentum von Verdienst und Sünde. Und je mehr sich dieses Ichbewußtsein in einem Körper verhärtet, um so mehr wird es zu einem selbstsüchtigen Ego, das nur noch seine eigenen Interessen verfolgt. Für so ein Ego besteht das Brennholz vor allem aus leidenschaftlichen Gefühlen. Und sicherlich, so ein Ego ist das ärmste Wesen in dieser Welt, weil es nie zufrieden sein kann. Es ist wie der Minuspol einer Batterie, der sich mit zunehmender Spannung immer weiter vom Pluspol trennt und damit immer ärmer wird.

Doch neben dem Ego gibt es in uns noch eine andere Intelligenz, nämlich die Vernunft, die vom Lernen und entsprechender Einsicht lebt. Ego und Vernunft sind wirklich ein seltsames Paar wie Vater und Sohn in diesem Märchen. In einem Kind erwacht zuerst das Ego, deswegen kann man dessen Eigenschaften am klarsten an Kindern beobachten. Die Vernunft erscheint erst viele Jahre später und entwickelt sich sehr langsam durch einen langen Lernprozeß. Aus dieser Sicht könnte man wirklich sagen, das Ego ist der Vater der Vernunft. Und klar, das Ego versucht das ganze Leben lang, die Vernunft für persönliche Zwecke zu benutzen. Dazu schickt auch der Vater seinen Sohn auf die Schule der Welt und investiert sein ganzes Vermögen dafür, damit er lernt, wie man reich wird.

Dafür gibt es nun zwei Wege: Auf dem einen Weg stärkt die Vernunft das Ego, auf dem anderen schwächt die Vernunft das Ego. So kehrt auch in unserem Märchen die Vernunft, die noch nicht ausgelernt hat, zum Ego zurück und will auch so ein Ego werden. Doch weil sich zwei Minuspole natürlich abstoßen, gibt es zunächst einen Konflikt, und der Vater ist von dieser Idee nicht begeistert.

Der Vater meint, es gibt nur eine Axt im Haus. Das heißt vermutlich: In diesem Körper kann nur ein König sein, und dazu ist die Vernunft noch viel zu schwach. Die Axt wird vielfältig als Symbol verwendet. Hier steht sie zunächst für das Werkzeug des Egos. Sie macht aus lebendigen Bäumen totes Brennholz. Ein Symbol für gewaltsame Trennung. Dabei trennt sie den Baumstamm von der Wurzel, wie man auch die geistige Axt auf dem Weg des Lernens verwendet, um mit Gedankenkraft die Natur endlos in rationale Begriffe zu zerspalten, die ohne Wurzel praktisch tot sind. Darin erkennt man das Wesen des Ichbewußtseins, das auf dem natürlichen Prinzip der Trennung beruht. Ihr Werkzeug ist das trennende, rationale bzw. intellektuelle Wissen, das man sich zunächst in Form von gelerntem Wissen leiht (wie der Vater die Axt leihen soll), um es dann selbst zu besitzen. Und die Vernunft verdient es sich, indem sie dem Ego dient.

Da borgte der Vater beim Nachbar eine Axt, und am andern Morgen, bei Anbruch des Tags, gingen sie zusammen hinaus in den Wald. Der Sohn half dem Vater und war ganz munter und frisch dabei. Als nun die Sonne über ihnen stand, sprach der Vater: »Wir wollen rasten und Mittag halten, hernach geht’s noch einmal so gut.« Der Sohn nahm sein Brot in die Hand und sprach: »Ruht Euch nur aus, Vater, ich bin nicht müde, ich will in dem Wald ein wenig auf- und abgehen und Vogelnester suchen.« »O du Geck,« sprach der Vater, »was willst du da herumlaufen, hernach bist du müde und kannst den Arm nicht mehr aufheben; bleib hier und setze dich zu mir.«

Nun, so arm ist der Vater, daß er seinem einzigen Sohn keine Axt kaufen kann. Was ist das für eine Armut, obwohl er so stark ist und fleißig arbeitet? Das ist das große Problem eines Egos. Je stärker es wird, um so ärmer ist es. Je mehr es mit der Axt arbeitet und Brennholz spaltet, desto ärmer fühlt es sich. Und es arbeitet vor allem körperlich und wenig geistig. Das Lernen will der Vater seinem Sohn überlassen. Dabei gehören Leben und Lernen immer eng zusammen, und vielleicht ist das Lernen sogar der höhere Sinn unseres Lebens.

Der Vater bzw. das Ego, ist also unzufrieden und gleichzeitig unfähig zu lernen. Das ist ein schreckliches Los und noch schrecklicher ist, daß heute viele Menschen dieses Los teilen. Wir meinen vielleicht, durch extensives Benutzen von Fernsehen, Zeitungen und anderer Medien auch viel zu lernen. Aber das täuscht, denn das massenhafte „Eintrichtern“ von Wissen ist noch kein Lernen. Lernen ist die Verarbeitung des Wissens durch geistige Bewegung. Doch wo soll die Beweglichkeit herkommen, wenn das Gehirn einer hoffnungslos überfüllten Lagerhalle gleicht? Und wie will man in dieser Lagerhalle, die irgendwann einer Müllhalde gleicht, etwas verarbeiten, wenn Sinne und Gedanken in ständiger Hyperaktivität nur nach außen gerichtet sind und immer mehr Wissen anliefern? Wie der Körper bei übermäßiger Nahrung und schlechter Verdauung immer dicker und träger wird, so geschieht es auch unserem Geist.

Schon zu Goethes Zeiten, ganz ohne Radio, Fernsehen und Internet, klagte der Doktor verzweifelt in [Faust I]:

Weh! steck ich in dem Kerker noch?
Verfluchtes dumpfes Mauerloch,
Wo selbst das liebe Himmelslicht
Trüb durch gemalte Scheiben bricht!
Beschränkt mit diesem Bücherhauf,
den Würme nagen, Staub bedeckt,
Den bis ans hohe Gewölb hinauf
Ein angeraucht Papier umsteckt;
Mit Gläsern, Büchsen rings umstellt,
Mit Instrumenten vollgepfropft,
Urväter Hausrat drein gestopft-
Das ist deine Welt! das heißt eine Welt!

Nun, was bedeutet Lernen? Wikipedia meint zu diesem Begriff: „Die Fähigkeit zu lernen ist für Mensch und Tier eine Grundvoraussetzung dafür, sich den Gegebenheiten des Lebens und der Umwelt anpassen zu können, darin sinnvoll zu agieren und sie gegebenenfalls im eigenen Interesse zu verändern.“

Nun denken wir zum Beispiel an unsere Umweltprobleme, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Wollen wir wirklich behaupten, daß wir modernen Menschen besonders lernfähig und geistig beweglich sind? Daß der Mensch Fehler macht, ist sicherlich normal, aber daß er nicht daraus lernen kann und will, ist ein schreckliches Los. Entsprechend sind wir heutzutage körperlich und sinnlich äußerst aktiv, aber geistig sehr träge und in engen Bahnen gefangen, womit uns die nötige Beweglichkeit zum Lernen fehlt.

So wollen wir zumindest annehmen, daß der Sohn in diesem Märchen noch körperlich und geistig aktiv war. Das mag auch die Bedeutung sein, warum er sich zur Mittagszeit nicht ausruhen, sondern im Wald nach Vogelnestern suchen will. Was ist damit gemeint? In Hungerzeiten haben die Armen sicherlich alles gegessen, auch die Wildvögel mit ihren Eiern. Aber vermutlich geht es hier um einen anderen Aspekt. Im Buch „Die Spinnstube“ von 1865 wird berichtet: „Es gab früher einen Lehrer, der leitete die Jungen seiner Schule an, Vogeleiersammlungen zu machen! - Schrecklich, Tausende von Nestern wurden drei Jahre lang zerstört, denn die Vogeleier wurden unter den Buben ein Handelsartikel, der Geld einbrachte, weil es ein Ehrgeiz war, die meisten und seltensten Eier zu besitzen. Endlich wurde amtlich dem unheilvollen Treiben entgegengesteuert, aber die weite Gegend ist seitdem - vogelarm!“

Nun könnte man vermuten, daß der Sohn in einer ähnlichen Schule war und bereits die Grundsätze jener Welt gelernt hat, von der sich der Vater das Ende aller Armut verspricht, nämlich die Natur auszubeuten und zu verkaufen, um sich daran persönlich zu bereichern.

Doch wir wollen positiv denken, und so kann man in dem Symbol des Vogelnestes auch das „Ausbrüten“ von Wissen sehen, das man sich wie bunte Vogeleier angesammelt hat. Dann setzt man sich hin, und benutzt das Wissen, um nachzudenken. Am besten natürlich so, daß sich das Wissen dabei „verarbeitet“ und auf das Wesentliche reduziert. Je mehr man von der Wissenslast verarbeitet bzw. verdaut, um so leichter wird man, bis man sich wie ein Vogel mit leichten Schwingen erheben kann.

Der Sohn aber ging in den Wald, aß sein Brot, war ganz fröhlich und sah in die grünen Zweige hinein, ob er etwa ein Nest entdeckte. So ging er hin und her, bis er endlich zu einer großen gefährlichen Eiche kam, die gewiß schon viele hundert Jahre alt war, und die keine fünf Menschen umspannt hätten. Er blieb stehen und sah sie an und dachte: »Es muß doch mancher Vogel sein Nest hineingebaut haben.« Da deuchte ihn auf einmal, als hörte er eine Stimme. Er horchte und vernahm, wie es mit so einem recht dumpfen Ton rief: »Laß mich heraus! Laß mich heraus!« Er sah sich ringsum, konnte aber nichts entdecken, doch es war ihm, als ob die Stimme unten aus der Erde hervorkäme. Da rief er: »Wo bist du?« Die Stimme antwortete: »Ich stecke da unten bei den Eichwurzeln. Laß mich heraus! Laß mich heraus!«

Das erinnert uns an den alten Spruch der Bibel: „Wer sucht, der findet!“ Er sucht oben in den Zweigen der Bäume nach bunten Vogeleiern und hört plötzlich eine Stimme von der Wurzel eines Baumes. Dieses Phänomen, daß die Natur mit uns zu sprechen beginnt, erinnert an das intuitive Wissen, das sich dem Schüler hier eröffnet. Mächtige Bäume waren schon immer ein Symbol für die lebendige Natur. Denken wir zum Beispiel an den germanischen Weltenbaum Yggdrasil, wo mystische Quellen an den Wurzeln liegen und auch Odin ein Auge geopfert hat, um das geheime Wissen an der Wurzel zu erlangen. So nennt man den Baum auch Wissensbaum. Damit finden wir das große Prinzip des Lernens wieder, daß es beim Verarbeiten von Wissen darum geht, zu den Wurzeln vorzudringen und sich nicht in den Zweigen zu verlieren. So kann man sich sogar der großen Frage nähern: „Was ist es, was die Welt im Innersten zusammenhält?“

Der Schüler fing an, unter dem Baum aufzuräumen und bei den Wurzeln zu suchen, bis er endlich in einer kleinen Höhlung eine Glasflasche entdeckte. Er hob sie in die Höhe und hielt sie gegen das Licht, da sah er ein Ding, gleich einem Frosch gestaltet, das sprang darin auf und nieder. »Laß mich heraus! Laß mich heraus!« rief’s von neuem, und der Schüler, der an nichts Böses dachte, nahm den Pfropfen von der Flasche ab. Alsbald stieg ein Geist heraus und fing an zu wachsen, und wuchs so schnell, daß er in wenigen Augenblicken als ein entsetzlicher Kerl, so groß wie der halbe Baum, vor dem Schüler stand. »Weißt du,« rief er mit einer fürchterlichen Stimme, »was dein Lohn dafür ist, daß du mich herausgelassen hast?« »Nein,« antwortete der Schüler ohne Furcht, »wie soll ich das wissen?« »So will ich dir’s sagen,« rief der Geist, »den Hals muß ich dir dafür brechen.« »Das hättest du mir früher sagen sollen,« antwortete der Schüler, »so hätte ich dich stecken lassen. Mein Kopf aber soll vor dir wohl feststehen, da müssen mehr Leute gefragt werden.« »Mehr Leute hin, mehr Leute her,« rief der Geist, »deinen verdienten Lohn, den sollst du haben. Denkst du, ich wäre aus Gnade da so lange Zeit eingeschlossen worden? Nein, es war zu meiner Strafe. Ich bin der großmächtige Merkurius, wer mich losläßt, dem muß ich den Hals brechen.«

Nun, was können wir an den Wurzeln der Natur finden? Als die moderne Wissenschaft vor hundert Jahren immer tiefer gesucht hat, sind sie sogar in die Atome eingedrungen, die zuvor als unteilbar galten, und haben das Wissen über gewaltige Energiemengen gefunden. Offensichtlich haben sie auch den Ruf gehört: „Laß mich heraus!“ So wurden die berühmt-berüchtigten Atom- und Nuklearwaffen entwickelt. Damit kam es zu einem Wettrüsten zwischen Ost und West, und es dauerte nur einige Jahre, bis man die Stimme hörte: „Wer mich losläßt, dem muß ich den Hals brechen!“ Nun heißt es bei Wiki: „Die Entwicklung der Atombombe wird heute von vielen als das dunkelste Kapitel der Technik- und Wissenschaftsgeschichte angesehen, und die Atombombe ist zu einem Inbegriff des »Fluches der Technik« geworden.“ Trotzdem gibt es heute immer noch so viele Nuklearwaffen, daß man die Menschheit damit mehrfach auslöschen könnte. Offensichtlich hat unsere moderne Wissenschaft an den Wurzeln der Natur nicht allzuviel Weisheit gefunden. Warum eigentlich nicht? Nun, sie haben das gefunden, was sie dort gesucht haben. Und das war wohl nicht der Geist der Weisheit...

Aber zurück zum Märchen. Unser Schüler benutzt vermutlich seine Axt, dringt tief zu den Wurzeln vor und findet ein Glas, das er ins Licht seines Bewußtseins hält und ein lebendiges Wesen darin erblickt, das sich bewegt und zu ihm spricht. Er öffnet dieses Glas, und ein Geist steigt heraus. Wow! „Geist“ ist ein sehr vielfältiger Begriff, der heutzutage mit vielen Bedeutungen belegt ist. Um es nicht allzu kompliziert zu machen, wollen wir hier zunächst bei den bisherigen Begriffen des Wissens und Lernens bleiben und sagen ganz einfach: In dieser Glasflasche war Wissen eingesperrt, sozusagen eingetrichtert, wie in unsere Köpfe. Auch unser Körper gleicht so einer Glasflasche, die voller Wissen ist, von Materie eingeschlossen, aber stellenweise durchsichtig, so daß wir mit den Sinnesorganen nach Außen schauen können. Und wenn dieses Wissen zu wirken bzw. arbeiten beginnt, zum Beispiel durch Gedanken, Gefühle oder sonstige Reaktionen, kann man von Geist sprechen. Man könnte sogar postulieren: Wenn Wissen arbeitet, spricht man von Geist. Wenn Wissen verarbeitet wird, spricht man vom Lernen. Und bei tieferer Betrachtung verschwindet sogar dieser Unterschied. In diesem Sinne trifft hier im Märchen Geist auf Geist, und sie unterhalten sich gegenseitig in einem Prozeß des Lernens. Logisch, Wissen wirkt auf Wissen.

Aber wer oder was ist Merkurius? Dieser Begriff wurde hier vermutlich aus der Alchemie geborgt, wo es dafür verschiedene Systeme gibt. Im Prinzip steht dort Merkurius als Quecksilber für das flüssige Prinzip und wird für den Geist oder auch die Seele verwendet. Und was passiert, wenn wir unsere Körperflasche öffnen und den Geist herauslassen? Dann passiert genau das, was Merkurius ankündigt, wir verlieren unseren Kopf, das heißt unser Ichbewußtsein bzw. Ego. Das ist schrecklich und heißt zunächst: „Ich werde mein Leben verlieren!“ Doch über diesen Satz lohnt es sich, einmal tiefer nachzudenken. Wer ist das „Ich“, und was ist das „Leben“? Hätte der Schüler davor panische Angst gehabt, wäre das Märchen hier wahrscheinlich vorbei gewesen. Ähnlich der Menschheit, wenn damals im kalten Krieg irgend jemand die Nerven verloren und die erste Atombombe abgeschossen hätte. So wollen wir von großem Glück sprechen, daß es die Menschheit noch gibt, wie auch unseren Studenten, denn nun kommt eine äußerst wichtige Erfahrung, vielleicht sogar der Höhepunkt des ganzen Märchens:

»Sachte,« antwortete der Schüler, »so geschwind geht das nicht, erst muß ich auch wissen, daß du wirklich in der kleinen Flasche gesessen hast, und daß du der rechte Geist bist: Kannst du auch wieder hinein, so will ich’s glauben, und dann magst du mit mir anfangen, was du willst. (1815: dann will ich mich in deine Gefangenschaft geben)« Der Geist sprach voll Hochmut »Das ist eine geringe Kunst!«, zog sich zusammen und machte sich so dünn und klein, wie er anfangs gewesen war, also daß er durch dieselbe Öffnung und durch den Hals der Flasche wieder hineinkroch. Kaum aber war er darin, so drückte der Schüler den abgezogenen Pfropfen wieder auf und warf die Flasche unter die Eichwurzeln an ihren alten Platz, und der Geist war betrogen.

Wie kommt der Geist in eine so enge Flasche wie unseren Körper? Durch Hochmut und Stolz als Aspekte unseres Ichbewußtseins, das sich im Körper zu einem Ego verhärtet. Es schließt sich sozusagen in diesen Körper ein, wie in eine Festung aus Materie, und versucht, dieses „Ich“ zu verteidigen. Dann kämpfen wir gegen Krankheit, Alter und Verlust und für Gesundheit, Eigentum und Erfolg. Und nun fragen wir wieder, was ist eigentlich in dieser Körperflasche eingeschlossen? Im Grunde nur Wissen: mein Name, mein Selbstbild, mein Weltbild, meine Lebensgeschichte und alles, was ich in meinem Leben gelernt habe. Der Rest ist Materie und gehört zu den Elementen der Natur.

Und interessanterweise gibt das Märchen sogar eine Antwort auf die Frage, warum „Ich“ in dieser Körperflasche eingeschlossen bin: „Denkst du, ich wäre aus Gnade da so lange Zeit eingeschlossen worden? Nein, es war zu meiner Strafe.“ Hier denken wir natürlich zuerst an einen bösen Geist, der zur Strafe in dieses Gefängnis eingeschlossen und in der Erde begraben wurde. Dafür gibt es die berühmte Geschichte von Salomon, die vermutlich auch zur Grundlage dieses Märchen diente, der als mächtiger und weiser König böse Geister in Flaschen einschließen und mit einem mystischen Siegel bannen konnte.

Doch vielleicht ist hier auch ein Geist wie du und ich gemeint. Zumindest sprechen die alten Religionen von einer Schuld, die wir hier in der Welt zu begleichen haben. Wir haben also eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen, und dazu gehört sicherlich das Lernen, und schließlich spricht man von einer großen Befreiung bzw. Erlösung, die es zu erreichen gilt. Denn kein Geist will ewig eingeschlossen sein, und alles sucht und drängt in der Natur nach Freiheit. So auch unser Flaschengeist, der nun offensichtlich erkannt hat, welche Macht ihn in die Flasche bannt, und wie er von der Welt „betrogen“ wird. Damit klingt auch an, was in alten Religionen bekannt war, daß diese äußere Welt wie eine Illusion wirkt, die den Geist durch Anhaftung bindet. Aber eigentlich wird er nicht von der Welt betrogen, sondern von seinem Wissen, das er sich über die Welt einbildet. Die Welt hilft ihm sogar, um seinen „stolzen Selbstbetrug“, der den Geist in die Flasche bannt, zu erkennen und zu überwinden.

Nun wollte der Schüler zu seinem Vater zurückgehen, aber der Geist rief ganz kläglich: »Ach, laß mich doch heraus, laß mich doch heraus!« »Nein,« antwortete der Schüler, »zum zweiten Male nicht: Wer mir einmal nach dem Leben gestrebt hat, den laß ich nicht los, wenn ich ihn wieder eingefangen habe.« (1815: Da bat der Geist, er möcht' ihn doch wieder erlösen und herauslassen. »Nein, sagte der Student, der mir nach dem Leben strebte, den kann ich nicht wieder herauslassen und den will ich in Ewigkeit nicht wieder herauslassen.«) »Wenn du mich freimachst,« rief der Geist, »so will ich dir so viel geben, daß du dein Lebtag genug hast.« »Nein,« antwortete der Schüler, »du würdest mich betrügen wie das erstemal.« »Du verscherzest dein Glück,« sprach der Geist, »ich will dir nichts tun, sondern dich reichlich belohnen.«

Wie gesagt, in unserer Natur drängt irgendwie alles nach Freiheit. Die schlimmste Vorstellung war früher, in einer engen Hölle, aus der es kein Entweichen gibt, irgendwo tief in der Erde eingeschlossen und gequält zu werden. Der andere Pol war der Himmel mit seiner schier grenzenlosen Freiheit und Freude. Und dazwischen liegt unsere irdische Welt, wo wir zwischen Glück und Leid, Himmel und Hölle, schwanken. So lag es natürlich zunächst nah, aus dieser Welt in den Himmel zu entweichen. Doch die Weisen haben damals schon viel nachgedacht und erkannten, daß man in einem Plus-Minus-Feld nicht den Pluspol allein ergreifen kann. Ein Pluspol ist immer mit einem Minuspol verbunden, wie es auch keine einpolige Batterie gibt. Und so erkannten sie, daß wahre Freiheit darin besteht, die Ichgebundenheit an dieses Feld zu lösen, der oben bereits erwähnte Grund, warum der Geist in eine Flasche gebunden wird.

Sicherlich, zu diesem Weg gehört unendlich viel Mut, den man früher als „Demut“ bezeichnete, der Mut zum Loslassen, sozusagen das Gegenteil vom stolzen „Hochmut“, dem Mut zum Festhalten, der den Geist in die Flasche bannt. Mit dieser Demut kann man sogar solche gewohnten Begriffe wie „mein Leben“ loslassen. Doch der Schüler schreckt zunächst zurück. Kann man einem Geist vertrauen, der das Ego töten will? Und doch lockt uns der Geist und verspricht ein Leben voller Zufriedenheit, wo man immer genug hat. Und das ist nicht gelogen, denn wahrlich, ein Ego hat nie genug. Doch der Schüler zweifelt immer noch und wehrt sich dagegen. Das bedeutet „die Glückseligkeit verscherzen“, also an den vergänglichen Freuden der Welt und damit auch am Leiden anhaften. Erst das Versprechen „Ich werde dir nichts tun!“ kann im Schüler das Vertrauen wecken, einen Versuch zu wagen. Dieses Vertrauen ist wohl der höchste Reichtum, von dem die alten Religionen gesprochen haben. Denn im Gegensatz zur körperlichen Ichgebundenheit eines Egos kann das wahre Ich bzw. immer seiende Selbst nicht getötet werden, weil es gar nicht geboren wurde. Das ist natürlich eine Einsicht, die hier vielleicht anklingt, aber im Leben schwer zu erreichen ist. Denn das würde bedeuten, daß man sogar den Tod überwinden kann.

Der Schüler dachte: »Ich will’s wagen, vielleicht hält er Wort und anhaben soll er mir doch nichts.« Da nahm er den Pfropfen ab, und der Geist stieg wie das vorige Mal heraus, dehnte sich auseinander und ward groß wie ein Riese. »Nun sollst du deinen Lohn haben,« sprach er, und reichte dem Schüler einen kleinen Lappen, ganz wie ein Pflaster, und sagte: »Wenn du mit dem einen Ende eine Wunde bestreichst, so heilt sie: und wenn du mit dem andern Ende Stahl und Eisen bestreichst, so wird es in Silber verwandelt.« »Das muß ich erst versuchen,« sprach der Schüler, ging an einen Baum, ritzte die Rinde mit seiner Axt und bestrich sie mit dem einen Ende des Pflasters: Alsbald schloß sie sich wieder zusammen und war geheilt. »Nun, es hat seine Richtigkeit,« sprach er zum Geist, »jetzt können wir uns trennen.« Der Geist dankte ihm für seine Erlösung, und der Schüler dankte dem Geist für sein Geschenk und ging zurück zu seinem Vater. (1815: Da dankte der Student dem Geiste und der Geist dankte ihm auch für seine Erlösung und sie nahmen Abschied von einander.)

Er bekommt als Geschenk einen Lappen, der wie ein Pflaster wirkt. Dieser Begriff wurde früher etwas anders gebraucht als heute. Man liest zum Beispiel in einem Buch von 1851: Eines der besten Wundpflaster ist der reine Honig. Jede Fleischwunde, sie mag vom Hieb, Stich, Stoß oder von Quetschungen herrühren, heilt davon sehr schnell und glücklich. Das Verfahren ist folgendes: Man wische zuvörderst die Wunde mit einem weichen leinenen Lappen rein ab, wasche sie aber ja nicht mit Wasser oder Spiritus. Dann drückt man die Wunde dicht zusammen, und legt einen vierfachen, reichlich mit Honig bestrichenen Lappen darauf und einen festen Verband darum...

In unserem Märchen geht es wohl vor allem um das Tuch, und weil es von einem Geist gegeben wurde, denken wir natürlich an ein besonderes Wissen. Das Tuch als Gewebe war dafür ein geläufiges Symbol, das auch Goethe in [Faust I] verwendet:

Zwar ist's mit der Gedankenfabrik
Wie mit einem Weber-Meisterstück,
Wo ein Tritt tausend Fäden regt,
Die Schifflein herüber hinüber schießen,
Die Fäden ungesehen fließen,
Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt.
Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es müßt so sein:
Das Erst wär so, das Zweite so,
Und drum das Dritt und Vierte so;
Und wenn das Erst und Zweit nicht wär,
Das Dritt und Viert wär nimmermehr.
Das preisen die Schüler allerorten,
Sind aber keine Weber geworden.

Was heißt es, ein Weber zu werden? Daß man fähig wird, das Wissen zu verweben und miteinander zu verbinden, anstatt sich darin zu verstricken. Eine ähnliche Bedeutung hat das indische Sanskrit-Wort „Tantra“, das man auch mit „Gewebe“ übersetzen kann. Und so ist das Tantra eine Lehre, die sich darum bemüht, sich mit allem zu verbinden, nicht nur im sexuellen Sinne, wie es heute im Westen oft verkauft wird, sondern umfassend mit der Natur, den Ahnen, Menschen, Göttern, Dämonen und allen Wesen und Geschöpfen. Dahinter steht sicherlich der Gedanke der Einheit, womit man alles Wissen zu einem Tuch verwebt und sich selbst im Großen und Ganzen findet. Der Philosophie wirft man oft das Gegenteil vor, daß sie uns immer mehr im Wissen verstrickt, um schließlich in einem klebrigen Spinnnetz aus Begriffen und Ansichten zu haften. Das meint vermutlich auch Goethe im obigen Text.

Für dieses Gewebe aus Wissen gibt es auch ein uraltes Symbol, das man in Indien Shrivatsa nennt und die Brust des Gottes Vishnu ziert. Es ist ein sogenannter Endlosknoten, den man als Gewebe auch endlos erweitern kann, und doch immer nur aus einem einzigen Faden besteht, der keinen Anfang und kein Ende hat. Dieses Gewebe der Welt steht symbolisch auch für die Shri, die Göttin des Wohlstandes, die Vishnu nah am Herzen liegt und sozusagen seine geliebte Gattin ist:

Auch Goethe verband das Gewebe der Welt mit einem Geist, der in der Erde bzw. Natur zu finden ist, und läßt den Erdgeist in [Faust I] sprechen:

In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

Und warum kann so ein geistiges Gewebe heilen und Eisen in Silber veredeln? Nun, die Erfahrung sagt, es gibt Wissen, das heilt, und es gibt Wissen, das krank macht. Im Allgemeinen heißt es: Das trennende Wissen macht unzufrieden und krank. Das vereinende Wissen macht glücklich und gesund. Darüber hinaus führt das vereinende Wissen zur Wahrheit, veredelt das unedle Eisen zu edlem Silber oder sogar Gold. Das sind in diesem Märchen vermutlich die zwei Seiten des verwebten Wissens: Heilen und Veredeln.

Der Schüler erprobt natürlich sein Geschenk sogleich in der Natur. Das ist übrigens auch ein fundamentaler Grundsatz unserer modernen Naturwissenschaft. Sie behauptet sogar, nur das Wissen, das man in der Natur bestätigen kann, ist wahres Wissen, und Wissen, das sich in der Natur nicht bestätigen läßt, ist falsches Wissen. Damit entstand die Experimentalwissenschaft, die auf objektive Weise, also mit sichtbaren Objekten, die Wahrheit ihres Wissens beweist. Wunderbar! Damit wurde endlich mit dem Aberglauben der alten Religionen aufgeräumt, der oft nur auf einem Gefühl beruhte, ob ein Wissen gut oder schlecht, Sünde oder Verdienst, heilsam oder unheilsam war. Doch nun hat die Wissenschaft die Natur zu einem unbestechlichen Richter ernannt. Und klar, die Natur bestätigt offensichtlich die Funktion von Radio, Fernsehen, Computer und Internet, aber auch die Funktion von Atombomben, Giftwaffen, Pestiziden, Gentechnik und so weiter, woraus man schließt, daß die Naturwissenschaft wahr ist. Aber was bestätigt die Natur? Sie bestätigt zumindest, daß dieses Wissen eine Wirkung hat. Aber bestätigt sie auch, ob es ein gutes, heilsames und edles Wissen ist? Mag sein, daß diese Errungenschaften für manche Menschen ein großer Nutzen sind. Doch die Natur im Ganzen? Jammert und klagt sie nicht über die Wirkung unserer Wissenschaft? Ruft sie nicht verzweifelt: „Haltet ein! Besinnt euch! Das ist kein guter Weg!“

Es ist sicherlich wichtig, jedes Wissen in der Natur zu erproben. Vielleicht ist es sogar Sinn und Zweck unseres Lebens hier auf Erden. Die alten Religionen kannten ähnliches. Sie sprachen von einem Gericht, dem sich jeder Mensch im Leben und vor allem am Ende des Lebens stellen muß. Aber worin liegt nun der Unterschied zu dem Gericht, dem sich die Naturwissenschaft stellt? Nun, in den alten Religionen war die Natur nicht tot, sondern der Ausdruck einer universalen Intelligenz, die mit einer höheren Vernunft verbunden war. Sie war „der Gottheit lebendiges Kleid“. So war die Natur voller Götter und Göttinnen, Dämonen und Geister. Das alles wurde mit der modernen Naturwissenschaft abgeschafft. Damit wurde die Natur zu einem Richter gemacht, der ohne Vernunft nur noch entscheiden soll, ob etwas funktioniert, und nicht mehr, ob es auch gut und heilsam ist. Und entsprechend handeln wir. Man möchte sogar meinen, das war der große Durchbruch in unser technologisches Zeitalter, die große Errungenschaft der Menschheit nach 300.000 Jahren unwissender Existenz auf dieser Erde. Gratulation!

Aber gut, ganz so weit war unser Schüler in diesem Märchen noch nicht. Zunächst erprobt er seine Gabe an der Natur, fügt ihr eine Wunde zu und heilt sie. Damit findet er sein Wissen als gut und nützlich bestätigt und trennt sich vom befreiten Geist. Warum trennt er sich davon? Offensichtlich hat er noch eine Schuld in der Welt zu begleichen. Zumindest hat er seinem Vater versprochen, sich das Geld für die Axt zu verdienen. Und darüber hinaus fühlt er sich natürlich auch für die Altersversorgung seiner Eltern zuständig. Und so kehrt er zum Vater zurück, wo nach diesem Ausflug ins Geisterreich der natürliche Anpfiff lauert, der uns wieder zurück auf die Erde holen soll:

»Wo bist du herumgelaufen?« sprach der Vater, »Warum hast du die Arbeit vergessen? Ich habe es ja gleich gesagt, daß du nichts zustande bringen würdest.« »Gebt Euch zufrieden, Vater, ich will’s nachholen.« »Ja nachholen,« sprach der Vater zornig: »Das hat keine Art!« »Habt acht, Vater, den Baum da will ich gleich umhauen, daß er krachen soll.« Da nahm er sein Pflaster, bestrich die Axt damit und tat einen gewaltigen Hieb: Aber weil das Eisen in Silber verwandelt war, so legte sich die Scheide um. »Ei, Vater, seht einmal, was habt Ihr mir für eine schlechte Axt gegeben, die ist ganz schief geworden.« Da erschrak der Vater und sprach: »Ach, was hast du gemacht! Nun muß ich die Axt bezahlen und weiß nicht, womit; das ist der Nutzen, den ich von deiner Arbeit habe. (1815: so bringst du mich mit deiner Hülfe nur in Schaden.)« »Werdet nicht bös,« antwortete der Sohn, »die Axt will ich schon bezahlen.« »O, du Dummbart,« rief der Vater, »Wovon willst du sie bezahlen? Du hast nichts, als was ich dir gebe! Das sind Studentenkniffe, die dir im Kopf stecken, aber vom Holzhacken hast du keinen Verstand.«

So treibt uns die Natur zur Tätigkeit, und besonders unser Ego. Heute ist eine gewisse Hyperaktivität für viele Menschen völlig selbstverständlich, während manche auch ins Gegenteil fallen und völlig lethargisch leben. Das nennt man auch „manisch-depressiv“, und solche Extreme sind typisch für ein wachsendes Ego. Auch früher wurde dieses Thema von Aktivität oder Passivität auf dem geistigen Weg oft diskutiert. Dazu gibt es zum Beispiel die berühmte Geschichte über Jesus: „Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht darnach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife! Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“ [Bibel, Lukas 10.38]

Manchmal ist es sicherlich gut, einfach zur Ruhe zu kommen und der göttlichen Stimme zu lauschen. Das ist heutzutage nicht leicht, die Welt ist laut und voller Unruhe und Sorgen. Für viele Menschen ist es sogar schrecklich, zur Ruhe zu kommen und den Blick nach innen zu richten. Denn dort begegnet uns zunächst eine chaotische Müllhalde von dem, was wir uns alles in die Köpfe getrichtert haben, große Berge von Brennholz oder sogar Sprengstoff, die nur auf einen Funken warten. Sicherlich war auch viel Gutes dabei, aber das verarbeiten wir relativ schnell, weil wir uns gern und oft daran erinnern. Der Rest wird verdrängt und angesammelt. Wer will da schon aufräumen? Das kann man doch später nachholen...

Nun gut, unser Schüler ist willig, daran zu arbeiten, und benutzt natürlich das große Wissen, das ihm geschenkt wurde. Mit diesem Geist veredelt er die Axt aus Eisen zu Silber. Klar, eine scharfe Eisenaxt, die andere verletzen kann, wird hier beim Aufräumen im Kopf nicht viel helfen. Es sind ja gerade unsere Verletzungen und Wunden, die sich hier angesammelt haben. Da heißt es: Liebe und Vergebung heilt jede Wunde und macht jede Waffe stumpf. Das Weiche siegt über das Harte, das Schwache über das Starke, wie das fließende Wasser auch den härtesten Felsen besiegen kann. Das ist ein großes Werk der Heiligung und Veredlung, das jeder in seinem Kopf beginnen sollte. Natürlich erschreckt das Ego darüber und beschwert sich jämmerlich beim Sohn, daß er ihm damit keine Hilfe ist. Das ist verständlich, denn der Vater lebt vom Brennholz, wie auch das Ego von der Leidenschaft lebt. Und es ist auch verständlich, daß sich das Ego nicht vorstellen kann, wie die schwache Vernunft die angesammelten Schulden bezahlen kann.

Über ein Weilchen sprach der Schüler: »Vater, ich kann doch nichts mehr arbeiten, wir wollen lieber Feierabend machen.« »Ei was,« antwortete er, »meinst du, ich wollte die Hände in den Schoß legen wie du? Ich muß noch schaffen, du kannst dich aber heim packen.« »Vater, ich bin zum ersten Mal hier in dem Wald, ich weiß den Weg nicht allein, geht doch mit mir.« Weil sich der Zorn gelegt hatte, so ließ der Vater sich endlich bereden und ging mit ihm heim.

Wenn die Vernunft mit dem ganzheitlichen Wissen erwacht, wird man irgendwann müde, die Welt mit der Axt des unterscheidenden Intellekts immer weiter zu zerspalten. Das Ego ist natürlich nicht begeistert, und doch kann man es nicht so einfach zurücklassen. Auch das Ego hat seinen Sinn im Leben, sonst wäre es sicherlich nicht da. Wie könnten wir sonst durchs Leben gehen? Und so führt es in unserem Märchen den Sohn aus dem wilden Wald wieder nach Hause. Das ist gut.

(1815: Der Sohn nahm die Axt mit, der Vater aber war ein alter Mann und konnte nicht sehen, daß sie zu Silber geworden war.) Da sprach er zum Sohn: »Geh und verkauf die verschändete Axt und sieh zu, was du dafür kriegst, das übrige muß ich verdienen, um sie dem Nachbar zu bezahlen.« Der Sohn nahm die Axt und trug sie in die Stadt zu einem Goldschmied, der probierte sie, legte sie auf die Waage und sprach: »Sie ist vierhundert Taler wert, so viel habe ich nicht bar.« Der Schüler sprach: »Gebt mir, was Ihr habt, das übrige will ich Euch borgen.« Der Goldschmied gab ihm dreihundert Taler und blieb einhundert schuldig. Darauf ging der Schüler heim und sprach: »Vater, ich habe Geld, geht und fragt, was der Nachbar für die Axt haben will.« »Das weiß ich schon,« antwortete der Alte, »einen Taler, sechs Groschen.« »So gebt ihm zwei Taler zwölf Groschen, das ist das Doppelte und ist genug. Seht Ihr, ich habe Geld im Überfluß,« und gab dem Vater einhundert Taler und sprach: »Es soll Euch niemals fehlen, lebt nach Eurer Bequemlichkeit.« »Mein Gott,« sprach der Alte, »wie bist du zu dem Reichtum gekommen?« Da erzählte er ihm, wie alles zugegangen wäre, und wie er im Vertrauen auf sein Glück einen so reichen Fang getan hätte. Mit dem übrigen Geld aber zog er wieder hin auf die hohe Schule und lernte weiter (1815: studierte aus), und weil er mit seinem Pflaster alle Wunden heilen konnte, ward er der berühmteste Doktor auf der ganzen Welt.

Der Goldschmied erscheint uns hier als symbolischer Gegenpol zum armen Vater, sozusagen als Pluspol, der den Reichtum gibt, aber in Form der Natur auch das Wissen prüft, ob es wirklich edel ist. Und wann ist das Wissen edel? Wenn es nicht mehr verletzt, sondern heilt. Wenn es nicht mehr trennt, sondern vereint. Diese beiden Pole von Minus und Plus kann man im Ichbewußtsein finden. So sprach man früher vom dämonischen Ich, das am körperlichen Besitz anhaftet, und vom göttlichen Ich, dem die Natur im Ganzen gehört. Daraus entstanden die Symbole von Teufeln und Engeln oder auch Dämonen und Göttern, in deren Spannungsfeld sich diese ganze Welt entfaltet. Und wie früher der Vater als Pluspol auf Seiten der Götter war, so erscheint in unserem Märchen der Vater als Minuspol auf Seiten der Dämonen und verkörpert das, was wir gewöhnlich Egoismus nennen.

Interessant ist auch der Lösungsvorschlag, den dieses Märchen verkündet. So heißt es, von 400 Talern sollte man 100 dem Pluspol opfern, 100 dem Minuspol und 200 dem heilsamen Wissen, das uns zur höheren Erkenntnis jenseits dieser Polarität führt. Wie wichtig diese Polarität des Ichbewußtseins für unsere Entwicklung ist, hat zum Beispiel Goethe in seinem Faust auf trefflichste Weise dargestellt. Ähnlich findet man auch in den vergangenen Kulturen jede Menge Geschichten, die sich mit dieser Polarität befassen, wie zum Beispiel in den altindischen Puranas.

Eine erste Wirkung dieses heilsamen Wissens zeigt sich in der vernünftigen Freigebigkeit des Sohnes, die versucht, die Extreme von Geiz und Verschwendung zu vermeiden. Das ist wohl auch das Wichtigste auf dem Weg zur Vernunft. Je weniger uns die Natur in enge Bahnen zwingt und je mehr körperliche Freiheit der Mensch in der Natur gewinnt, desto mehr muß die Vernunft entwickelt werden. Dieses heilsame Wissen, das man früher auch heiliges Wissen bzw. heiliger Geist nannte, ist vermutlich der größte Reichtum, den wir in dieser Welt auf dem Weg der natürlichen Entwicklung gewinnen können. Denn soweit dieses Wissen alle Wunden heilt, macht es uns gesund, soweit es alles Unedle veredelt, vereint und erhebt es uns, und soweit es nicht verletzt und gewaltlos ist, macht es uns zufrieden. Und wie wir wissen: Zufriedenheit ist der größte Reichtum und die höchste Freiheit. Nur die Zufriedenheit kann uns von der Anhaftung durch unersättliche Begierde befreien. Und nur auf diesem Weg kann man sich wirklich alle Wünsche erfüllen.

Nun, auch wenn es nur ein Märchen ist, wir wollen doch hoffen, daß zukünftig wieder mehr Doktoren berühmt werden, die mit ganzheitlichem Wissen heilen können.


Der Geist im Glas - Ist Homöopathie Betrug?

Es war einmal ein Mann, der schleppte sich auf seinem Weg nach Hause durch die Straßen der Stadt mit einer schweren Sorgenlast auf dem Rücken. Der Tag lief schlecht, ein wichtiges Fördermittelprojekt war abgelehnt worden, tausend Seiten umsonst für den Papierkorb geschrieben und dazu noch der Vorwurf vom großen Chef, daß er damit viele Arbeitsplätze und den Wohlstand ihrer Familien bedroht. Sogar das Wetter war dunkel und trüb, alles war von dichten Wolken verhangen. Doch plötzlich stand er vor einem Geschäft mit buntem Schaufenster und erinnerte sich an eine Melodie aus längst vergangenen Tagen. Zufällig war es ein Laden für CDs & Schallplatten, er betrat ihn, zögerte nicht lange und kaufte sich eine Musik-CD, vielleicht Simon & Garfunkels „Like a bridge over troubled water...“ oder John Lennons „Give Peace A Chance“ - ich weiß nicht mehr genau - der Mann war auch nicht mehr der Jüngste. Zumindest regte sich bereits auf dem Heimweg eine heimliche Vorfreude, dann schob er die Plastikscheibe in seinen Musikturm und genoß die wunderbare Erinnerung. Die dichten Wolken über ihm verschwanden, die Last auf seinem Rücken wurde leichter, und plötzlich sah er wieder eine Chance für sein Projekt, das schon im Papierkorb gelandet war. Gleichzeit zog er die Plastikscheibe aus dem Turm, ergriff eine Lupe, betrachtete sie lange und nachdenklich, steckte sie in die Hülle zurück und stand in kürzester Zeit wieder im gleichen Geschäft, wo er das Teil gekauft hatte. Dort hielt er dem Verkäufer einen langen Vortrag, daß er betrogen worden war, weil er in der Plastikscheibe weder einen Musiker noch irgendein Musikinstrument finden konnte, wie sie auf dem Cover deutlich zu sehen waren. - Der Verkäufer war entsetzt, so etwas war ihm noch nie passiert. Doch zum Glück erinnerte er sich an ein Gerichtsurteil, das er vor kurzem in einer Zeitung gelesen hatte, atmete tief ein und erklärte dem Mann mit amtlicher Stimme: „Der Verkauf von Musik-CDs ist zulässig, auch wenn weder ein Musiker noch ein Musikinstrumente in der Verpackung enthalten sind, wie sie auf dem Cover abgebildet wurden, weil der Personenkreis, der solche CDs kauft im allgemeinen darüber informiert ist, daß weder Musiker noch Musikinstrumente stofflich enthalten sind.“ Darüber war nun der Mann entsetzt und rief: „Wie kann das sein? Das ist doch völlig unwissenschaftlich! Ich habe das Ding genauestens untersucht!“ Der Verkäufer entgegnete: „Aber Sie haben doch die Musik gehört...“ - „Das beweist noch gar nichts!“ protestierte der Wissenschaftler und verließ wütend den Laden...

Ein schlechtes Märchen... Man könnte es besser erzählen, aber es wird immer unbefriedigend bleiben, denn so etwas geschieht heute wirklich mit der alternativen Heilkunde der Homöopathie, und sogar das Gerichtsurteil ist nicht erfunden (www.lto.de), als hätten die Gerichte nichts Sinnvolleres zu tun. Vor allem Wissenschaftler führen heute einen unbarmherzigen Kampf gegen die Homöopathie, der an die Methoden der mittelalterlichen Inquisition erinnert. Auch damals ging es darum, auf fanatische Weise mit viel Gewalt ein Weltbild zu erhalten, das nicht mehr haltbar war. Und was damals „Inquisition“ hieß, nennt die Wissenschaft heute „Falsifizierung“, und das heißt: „Wir können nicht sagen, was wahr ist, aber wir können genau sagen, was falsch ist!“ Das klingt verrückt, aber damit geht es heute unter anderem gegen die Homöopathie. Viele Menschen spüren die Wirkung, viele konnten damit geheilt werden, viele Ärzte arbeiten erfolgreich damit, und vor allem Sportmediziner und Spitzensportler nutzen diese Mittel gern (www.sportaerztezeitung.de). Doch mit unserem materialistischen Weltbild konnte die Wirkung bisher nicht erklärt werden, und so spricht man nur von Einbildung, Placebo und schließlich sogar von Betrug. Ein riesiger Medienrummel wurde geschürt, und sogar berühmte Wissenschaftler wie Harald Lesch blasen offenbar gern in dieses Horn (siehe z.B. Video: Homöopathie im Eigenbau von Mai Thi Ngujen-Kim im Lesch & Co-Labor). Schade!

Nun möchten wir hier nicht alle Argumente für und gegen die Homöopathie auflisten und besprechen. Das Internet ist voll davon. Die meisten Diskussionen enden zwar bei der Einsicht, daß es im Grunde vor allem um Information geht, ähnlich wie die Daten auf einer Musik-CD, aber dazu braucht man natürlich immer einen materiellen Träger. Bei der Musik-CD sind es die verschiedenen Materialien, in die man ein Informationsmuster pressen oder brennen kann, aber bei Wasser oder Zuckerkügelchen, die oft als homöopathischer Träger verwendet werden, sei ein solches Prinzip wissenschaftlich nicht erklärbar. Und ohne Träger, gibt es natürlich keine Information. Damit enden gewöhnlich die Diskussionen. Aber stimmt das?

Information ohne Träger? Nun, sogar Harald Lesch sagt (Video: Kosmologie-1 12:30):

„Es gibt eine Form von Wirkung, die unabhängig vom Träger ist.“

Andere berühmte Physiker, die sich tiefgründig mit der modernen Quantenphysik beschäftigten, gehen sogar noch weiter. Hans-Peter-Dürr sagt (Potsdamer Denkschrift 2005):

„Materie ist im Grunde gar nicht Materie, sondern ein Beziehungsgefüge, eine Art Gestalt oder in gewisser Weise trägerlose ‚Information’...“

Und in einem Interview im P.M. Magazin 05/2007 sagt er:

„Die Felder in der Quantenphysik sind nicht nur immateriell, sondern wirken in ganz andere, größere Räume hinein, die nichts mit unserem vertrauten dreidimensionalen Raum zu tun haben. Es ist ein reines Informationsfeld – wie eine Art Quantencode. Es hat nichts zu tun mit Masse und Energie. Dieses Informationsfeld ist nicht nur innerhalb von mir, sondern erstreckt sich über das gesamte Universum. Der Kosmos ist ein Ganzes, weil dieser Quantencode keine Begrenzung hat. Es gibt nur das Eine...“

Anton Zeilinger sagt:

„Es stellt sich letztlich heraus, daß Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist. Wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden.“

Thomas Görnitz unterscheidet drei Stufen für Information und Träger (Evolution des Geistigen aus der Quanteninformation Seite 77):

1) Information, die „Hier und Jetzt“ sein soll, benötigt einen materiellen Träger wie Papier oder Gehirn.
2) Information, die „Jetzt“ sein soll, aber nicht auf „Hier“ beschränkt, benötigt einen energetischen Träger wie Photonen, TV-Programme oder Handygespräche.
3) Information ohne Träger ist weder „Hier noch Jetzt“, sondern immer und überall.

Und Ulrich Warnke sagt sogar (Information und Energie 11:30):

„Information ist der Urstoff des Universums...“

Dazu könnte man noch viele weitere Beispiele anführen. Man weiß also, daß Information nicht an einen Träger gebunden ist und sogar ohne Träger bestehen kann, weil jeder Träger praktisch auch nur aus Information besteht. Und wenn schon so hochkarätige Wissenschaftler, die auf ein langes und intensives Leben in der modernen Welt der Wissenschaft zurückblicken können, von solchen Ansichten sprechen, dann sind sie sicherlich nicht völlig aus der Luft gegriffen, wie uns manche jüngere Wissenschaftler erklären wollen. Interessanterweise decken sich die Ansichten mit dem, was die Menschen schon seit vielen tausend Jahren wußten, zumindest, was davon überliefert wurde. Nur die Begriffe haben sich gewandelt, denn früher sprach man von Geist, Intelligenz, Wissen und Bewußtsein, die als Basis des ganzen Universums betrachtet wurden. Warum sollten wir heute annehmen, daß die Menschen damals wesentlich dümmer waren und das grundlegende Wesen der Natur nicht kannten, mit der sie so intensiv und eng zusammenlebten? Vielleicht hatten sie sogar ein viel tieferes Verständnis dafür, das in künstlichen Laboratorien und Büros kaum erreichbar ist, weshalb sie auch nicht dem extremen Materialismus verfielen, der heute überall in der Natur so viel Schaden anrichtet.

Historisch? Und so waren auch die Prinzipien, die heute in der Homöopathie verwendet werden, längst bekannt. Man wußte zum Beispiel, daß man Wasser besprechen und energetisch aufladen kann. Dazu findet man bereits in den uralten indischen Puranas Geschichten, in denen Wasser für bestimmte Zwecke geweiht wurde, z.B.:
Eines Nachts während dieser Zeremonie hatten die Weisen ein Gefäß mit geweihtem Wasser auf den Altar gestellt und sich zur Nachtruhe zurückgezogen. Und das Schicksal wollte es, daß der König gegen Mitternacht erwachte und äußerst durstig war. Und weil er keinen von den Weisen wecken wollte, sah er sich nach etwas zu trinken um. Dabei entdeckte er das Gefäß mit Wasser, das geheiligt und mit der fruchtbaren Kraft durch heilige Texte aufgeladen war, und trank es. Als sich die Munis erhoben und sahen, daß das Wasser verschwunden war, fragten sie: „Wer hat dieses kraftvolle Wasser getrunken? Die Königin von Yuvanaswa sollte es trinken und einen mächtigen und tapferen Sohn zur Welt bringen.“ ... (Vishnu Purana 4.2)

Das ganze gab es auch mit Speisen, wie z.B. Milchreis:
Deine Mutter hat dir nichts Gutes getan, als sie die Teller mit dem Milchreis vertauschte. Du wirst einen höchst kriegerischen und ruhelosen Sohn gebären. Dagegen wird deine Mutter einen großen Asketen zur Welt bringen, der alle Veden meistern wird. Denn durch die Kraft meiner Askese habe ich das ganze Wissen der Veden in diesen Reis gegeben. (Harivamsha Purana 1.27)

Darüber hinaus diente das Wasser als Träger, um Verwünschungen und Flüche zu verwirklichen, denn mit dem Wasser war nun einmal alles verbunden, wie z.B.:
Nun auch wütend schöpfte König Saudasa Wasser mit seinen Händen und wollte gerade Vasishta verwünschen, da hielt ihn seine Königin ab und sprach: "Oh König, der berühmte und große Asket Vasishta ist unser Lehrer und Priester. Du solltest ihn nicht verwünschen." Nach diesen Worten seiner Königin schüttete Saudasa das kraftvolle Wasser über seine eigenen Füße, welche sofort dunkel wurden. Von dieser Zeit an war König Saudasa auch unter dem Namen Kalmashapada (gefleckte Füße) bekannt. (Ramayana 7.78)

Ähnlich heißt es auch im chinesischen Daoismus:
Praktiken, die das Besprechen von Wasser (fushui) sowie die Verbrennung von Talisman-Papier, welches in die Arznei gemischt und mitgekocht werden soll, vorsehen, favorisiert Chen nicht nur im Rahmen von Epidemien und Vergiftungen. Er setzt solche daoistisch inspirierten Praktiken auch im Falle von Geistbesessenheit und Verzauberung ein. (Zirkulierende Leidenschaft)

Teilen und Vermehren? Auch hier könnten wir noch viele weitere Beispiele finden. Ein anderes Problem ist, daß sich heute viele Wissenschaftler, die durch die materialistische Schule gegangen sind, nicht vorstellen können, wie man durch Teilen und Verschütteln eine Wirkung erhöhen kann. Klar, wenn man Materie teilt, wird sie erfahrungsgemäß weniger. Doch wir wissen auch, wenn man Information teilt und in der Welt „verschüttelt“, dann wird sie erfahrungsgemäß mehr und kann auch entsprechend mehr wirken. Ein YouTube-Video, das Millionenmal angeschaut wurde, wird demnach nicht weniger, sondern mehr.

Dazu findet man schon in der Bibel das berühmte Gleichnis von der „Speisung der fünftausend“:
Wieviel Brot habt ihr? Gehet hin und sehet! Und da sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf, und zwei Fische. Und er gebot ihnen, daß sie sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras. Und sie setzten sich nach Schichten, je hundert und hundert, fünfzig und fünfzig (in Gruppen zu hundert und zu fünfzig). Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische, sah zum Himmel auf und dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, daß sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie hoben auf die Brocken, zwölf Körbe voll, und von den Fischen. Und die da gegessen hatten, waren fünftausend Mann. (Markus 6.38)

Wenn man also die Nahrung nur materiell teilt, wird sie immer weniger, und jeder bekommt vielleicht nur noch einen Krümel ab. Doch die Botschaft, zum Beispiel des Mitgefühls und der Mäßigung, die man damit verteil, wird immer mehr und wirksamer, und das ist unsere wahre Nahrung, die uns zufrieden machen und wahrhaft sättigen kann. Das heißt: Wenn die Menschen zufrieden und mäßig leben, ist für alle genügend Nahrung da. Ähnlich kann man auch in der Homöopathie Botschaft bzw. Information multiplizieren und damit die Wirkung erhöhen. Interessanterweise werden in diesem biblischen Gleichnis sogar die Potenzen 50 und 100 erwähnt, die auch in der Homöopathie eine große Rolle spielen. Zufall? Zumindest ist es bei der Weitergabe von Informationen sehr bedeutsam, ob ein Lehrer alle Schüler gleichzeitig informiert, oder ob auf diesem Weg mehrere Lehrer mit kleinen Schülergruppen gebildet werden, die wiederum neue Lehrer hervorbringen. Darüber hinaus kann man in den fünf Broten und zwei Fischen die sieben natürlichen Prinzipien wiederfinden, welche an die fünf Elemente mit den Sinnen und die zwei Geistprinzipien erinnern, über die wir schon oft gesprochen haben. Es geht also bei diesem biblischen Gleichnis nicht nur um eine äußerliche Belehrung, sondern auch um einen inneren Entwicklungsprozeß, der in jedem Menschen stattfindet.

Information? So könnte man mit dem Begriff der „Information“ in der Homöopathie bereits viel erklären. Aber wie kommt es nun, daß sich Wasser oder sonstige Stoffe Informationen merken können? Haben Sie ein Gedächtnis? Nun, wenn die Information die Grundlage des Universums ist (wie die oben genannten Physiker nahelegen), dann wäre natürlich das ganze Universum ein riesiges Gedächtnis. Das klingt für uns heute ziemlich verrückt, aber die Menschen vor tausenden Jahren wußten auch dies bereits. Wenn wir heute glauben, mit irgendwelchen großen oder kleinen Sünden ungestraft davonzukommen, soweit es nur niemand erfährt, so wußten die Menschen früher, daß Gott alles sieht. Ja, für viele mag das abgedroschen klingen, weil damit auch viel Unsinn getrieben wurde, aber praktisch geht es hier um ein universales Gedächtnis. Um den Begriff „Gott“ zu vermeiden, sprechen diesbezüglich manche Wissenschaftler vom feinstofflichen, morphogenetischen, Informations-, Matrix-, Nullpunkt- oder Psi-Feld. Und dazu gibt es in der Wissenschaft neben dem Energieerhaltungssatz sogar einen Informationserhaltungssatz, der natürlich wie alles Geistige „wissenschaftlich“ nicht bewiesen werden kann bzw. darf. Das hieße aber, auch Information kann nicht verlorengehen. Sie kann sich wandeln, aber geht nicht verloren. Wenn also in Indien von Karma gesprochen wird, das man im Leben durch Gedanken, Worte und Taten ansammelt, so ist damit auch dieses universale Gedächtnis gemeint, daß sogar über viele Generationen bestehenbleibt. Und wie man in den alten Puranas lesen kann, entsteht sogar das ganze Weltall immer wieder aus der Information von dem, was sich zuvor aufgelöst hat. Der Urknall ist also kein Zufall, als würde man eine Bombe zünden und erwarten, daß daraus zufällig ein Haus oder sogar ein Mensch entsteht, sondern ein Entwicklungsprozeß auf der Grundlage von angesammelten Informationen. Ähnliches meint vermutlich auch die Bibel, wenn es heißt: „Am Anfang war das Wort...“

Informationsübertragung? Damit wäre vieles erklärbar. Während in der klassischen Homöopathie nach Hahnemann noch bestimmte Stoffe verdünnt und verschüttelt werden, gibt es sogar Erfahrungen mit einer rein geistigen Übertragung der Information des Wirkstoffes auf einen Träger, wie zum Beispiel ein uns persönlich bekannter Tierhomöopath berichtet, dessen Namen wir wegen der drohenden Inquisition verschweigen wollen. Er stellt sich dabei Wirkung und Potenz der Medizin mental beim Einatmen vor und gibt sie beim Ausatmen auf eine Flasche destilliertes Wasser ab. Dann wird verschüttelt, Etikett aufgeklebt und der „Geist im Glas“ ist fertig. Unvorstellbar, aber angeblich funktioniert es und unterstreicht die Fähigkeit, daß sich Information unabhängig vom Träger übertragen läßt. Sicherlich braucht es dazu viel Übung, Erfahrung und Begabung. Und interessanterweise deckt sich diese Methode mit den oben genannten Überlieferungen zum Weihen bzw. Besprechen von Wasser, was damals auch nicht jeder beherrschte.

Hokuspokus? Wie kann das geschehen? Auch hier könnte uns das Gedächtnis des Universums eine Hilfe sein. Wie wir uns vielleicht an einen längst vergangenen Strandurlaub erinnern, so könnte sich auch das Wasser daran erinnern, daß es schon einmal als homöopathisches Mittel geprägt wurde. Nun müßte man nur noch die engen Grenzen unsers kleinen Ichbewußtseins in diesem materiellen Körper (der auch zum größten Teil aus Wasser besteht) wegdenken, das gewöhnlich glaubt, daß es von allem unabhängig existieren würde. Dann wäre alles mit dem allgemeinen Gedächtnis des Universums verbunden, und diese übergreifende Erinnerung zwischen „Geist im Mensch“ und „Geist im Glas“ wäre zumindest möglich. Das würde natürlich bedeuten, daß unser Bewußtsein ständig mehr oder weniger eine Wirkung auf alle Dinge hat, auf die wir uns konzentrieren, wie zum Beispiel bei der Herstellung, beim Verkauf und beim Verzehr von Nahrungsmitteln. Entsprechend verantwortungsbewußt müßten wir dann mit unseren Gedanken umgehen...

Was ist „Erinnerung“? Das Wort geht angeblich auf das althochdeutsche „innaron“ zurück, was ursprünglich bedeutet: „Jemanden etwas verinnerlichen bzw. gewahr werden lassen.“ Das ist eine typische Eigenschaft von Information. Zum Beispiel besteht die Software für unsere Computer wie auch die Musik auf einer CD praktisch nur aus langen Reihen von Zahlen, also abstrakte Muster bzw. formlose Informationen, die man über viele verschiedene Medien übertragen kann. Und jede Zahl erinnert die Hardware daran, irgendetwas Bestimmtes zu tun. Dabei müssen Software und Hardware miteinander harmonieren, damit der Computer sinnvoll funktionieren kann. Information ist also fähig, ein System funktionieren zu lassen. Und das System wird sozusagen durch die Software an seine Funktion erinnert. So sagt man auch in der Homöopathie: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.“ Dazu setzt man natürlich voraus, daß ein System selbst die Fähigkeit hat, sich zu heilen. Es muß nur daran erinnert werden, diese Funktion zu aktivieren. Das macht der menschliche Organismus normalerweise automatisch, aber man kann diese Erinnerung sicherlich auch wecken oder verstärken, zum Beispiel durch entsprechende Nahrung, Medikamente, Drogen, Akupunktur, Liebe, Freude, Musik, Gesang, Schlaf, Entspannung, Gebet, autogenes Training, Hypnose, Meditation oder auch homöopathische Mittel. Was ist daran Betrug?

Wie groß ist ein Organismus? Wenn wir von Selbstheilung sprechen, muß man natürlich auch nach der Größe des Organismus fragen, der sich selbst erhalten und heilen kann. Dafür steht gewöhnlich der Mensch, der mit amtlicher Geburtsurkunde, Ausweis und Namen zu einer „selbständigen“ Person wurde. Doch was gehört alles zu „meinem Organismus“ dazu? Meine Hände und Füße? Wenn ich sie verliere, ist das zwar schmerzhaft, aber die Funktion kann ersetzt werden, und ich lebe weiter. Meine inneren Organe? Mehr oder weniger können auch sie ersetzt werden, sogar durch künstliche Maschinen über eine gewisse Zeit, wie auch alle anderen Organe nur eine gewisse Zeit funktionieren. Meine Familie oder Freunde? Ihr Verlust ist sehr schmerzhaft, aber er kann ersetzt werden. Mein Haus oder Auto? Wenn es kaputt geht, ist das zwar schmerzhaft, aber es kann repariert oder ersetzt werden. Die Atemluft und die Erde? Man verliert viel, aber heutzutage können Menschen sogar einige Monate in künstlichen Kapseln im Weltraum überleben. Und diese Liste könnte man noch lange fortsetzten, und es ist sicherlich heilsam, einmal darüber nachzudenken, wie groß „Ich“ eigentlich bin und was alles mit „meinem Organismus“ verbunden ist.

Wie groß ist mein Bewußtsein? Nur wenige Menschen sind sich ihrer eigentlichen Größe wirklich voll bewußt. Die meisten können nicht einmal ihren Herzschlag oder ihre inneren Organe spüren, bis sie irgendwann schmerzhaft erkranken. So spüren sie auch die umfassende Verbindung mit ihrer Umwelt erst, wenn das System gestört und krank wird. Woran liegt das? Warum glaube ich, daß sich meine Gedanken nur auf „meinen Kopf“ beschränken? Warum glaube ich überhaupt an „Mein“ und „Dein“? Was ist das für eine Illusion, daß ich nur für „mich“ lebe? Nicht einmal vom materiellen Standpunkt aus ist diese Illusion haltbar, vom geistigen ganz zu schweigen. - Diese geistige Illusion nennt man Ichbewußtsein und im schlimmsten Fall fanatischen Egoismus. Diese Illusionskraft ist sehr mächtig und geht soweit, daß man sich nicht vorstellen kann, daß das Wasser im menschlichen Körper mit dem Wasser im Glas verbunden ist oder der Geist im Kopf mit dem Geist im Glas. Sogar viele Wissenschaftler glauben heute noch, daß sie in ihren Experimenten völlig unabhängige Beobachter sind, und ihr Bewußtsein keinerlei Einfluß hat - denn auf der einen Seite stehe „Ich“ und auf der anderen Seite die Welt bzw. Natur. So fragt der fernsehberühmte Physiker Harald Lesch sicherlich nicht unberechtigt: „Was hat das Universum mit mir zu tun?“

Aber gut, auch wir werden hier die Geheimnisse des Geistes und der Homöopathie nicht grundlegend erklären können. Das braucht sicherlich noch Generationen, bis sich unser materialistisches Weltbild der klassischen Physik wieder öffnen kann. Manche Wissenschaftler sprechen ja selbst davon, daß die Physik seit Jahrzehnten in einer Krise steckt. Und die Geschichte lehrt uns: Je wackliger ein Weltbild wird, um so aggressiver und gewalttätiger wird es verteidigt, was man heutzutage in den Medien spüren kann.

Nebenwirkung? Zum Abschluß vielleicht noch ein paar Gedanken zur Wirkung der Homöopathie. Man hört oft, Homöopathie habe keine Nebenwirkungen. Das macht schon prinzipiell wenig Sinn, denn überall wo Wirkung ist, gibt es auch Nebenwirkung, denn wo ein Plus ist, muß immer auch ein Minus sein. Wir sollten heute nicht hoffen, daß die Homöopathie alle unsere Probleme lösen kann, die wir mit modernen Medikamenten haben, wie zum Beispiel in der Antibiotika-Krise. Alles, was man übertreibt, wird sich irgendwann negativ auswirken. Ne quid nimis - Nichts im Übermaß! Das trifft sicherlich auch auf die Homöopathie zu. Zum Beispiel ist es völlig ungeklärt, was mit den homöopathischen Mitteln geschieht, die im Abwasser, in der Erde oder in den Ozeanen landen. Eine ähnliche extreme Massenanwendung, wie bei chemischen Medikamenten, kann sicherlich nicht ohne „Nebenwirkungen“ bleiben. Aus dieser Sicht ist es nur zu begrüßen, daß homöopathische Mittel von Krankenkassen nicht bezahlt werden. Das verhindert zunächst eine extreme Massenvermarktung und begünstigt eine maßvolle Anwendung durch erfahrene Homöopathen, so daß auch diese alte Heilkunde den Menschen noch viel Gutes bringen kann.

Und unser Wissenschaftler? Er verbrachte eine unruhige Nacht, kehrte am anderen Morgen ins Büro zurück, fischte den Fördermittelantrag aus dem Papierkorb und plättete ihn unruhig hin und her. Er sah all die Formeln und langen Texte, die jene Schar der Bürokraten auf dem Amt überzeugen sollten, aber nicht konnten. Warum nur? Das Ganze war wissenschaftlich durchdacht... Da erinnerte er sich an die Lupe in seiner Tasche, zog sie hervor und blickte auf das Papier. Lange schaute er hin, die Zeit verging, und nachdenklich saß er im Büro. Auch hier waren nur kleine Punkte zu sehen, mit denen er viele Millionen Euro beantragen wollte. War das Betrug? Er lächelte erleichtert, galant ließ er den Stapel Papier zurück in die kleine, runde Tonne gleiten, schaute zum Fenster hinaus und freute sich über die grünen Bäume auf der Wiese gegenüber, wo die Vögel lustig hin- und hersprangen und ihre Lieder zwitscherten. [2020]


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Der Wolf und die sieben jungen Geißlein - (Thema: Unersättliche Begierde)
Das tapfere Schneiderlein - (Thema: Ein heilsamer Weg)
Der kluge Knecht - (Thema: Suche nach Weisheit, Reformation)
Fundevogel - (Thema: Weg zur Befreiung, geistige Werte)
Doktor Allwissend - (Thema: Wissenschaft, Geist)
Der Geist im Glas (Thema: Das Wesen des Geistes, Schulsystem, Homöopathie)
Die Erbsenprobe / Prinzessin auf der Erbse - (Thema: Natürliche Sensibilität)
Die sieben Schwaben - (Thema: Corona-Hysterie, Das Wesen der Angst)
Daumesdick / Däumling - (Thema: Was ist die Seele? Stimmt unser Weltbild?)
Die Kristallkugel / Vom Schloß der goldenen Sonne - (Thema: Egoismus, das innere Tier besiegen)
Des Kaisers neue Kleider - (Thema: Mahnmal 2020 - GELD-MACHT-BLIND)
... Inhaltsverzeichnis aller Märchen-Interpretationen ...

[1857] Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 7. Auflage, Berlin 1857
[Bibel] Luther Bibel, 1912
[Faust I] Johann Wolfgang von Goethe, Faust Teil 1, Eine Tragödie, Tübingen 1808.
[Faust II] Johann Wolfgang von Goethe, Faust Teil 2 (1832)
[2020] Text und Bilder von Undine & Jens / www.pushpak.de