Die geistige Botschaft unserer alten Märchen

Das Feuerzeug mit dem blauen Licht

„Das blaue Licht“ ist ein Märchen aus der Grimmschen Sammlung, das uns schon lange durch den Kopf geht. Doch für eine geistige Deutung haben wir zu viele Widersprüche gefunden. Auch die Version „Das Feuerzeug“ von Hans Christian Andersen war uns dazu nicht dienlicher. Die Gebrüder Grimm haben zwar in den verschiedenen Ausgaben noch einiges geändert und erweitert, aber einen fruchtbaren Ansatz für die Interpretation konnten wir erst im gleichnamigen Märchenfilm der ARD von 2010 finden:

Mit dessen Hilfe möchten wir nun versuchen, das Märchen freizügig nachzuerzählen und aus geistiger Sicht zu interpretieren:

Es war einmal ein armer Soldat, der von zu Hause auszog, um für seinen König eine große Schlacht gegen dessen Feinde zu gewinnen. Er kam auch siegreich mit den überlebenden Kameraden zurück. Aber wie fast alle vom Kampf schwer verwundet waren, so hatte auch er eine tiefe Wunde am rechten Arm. Der König gratulierte den Soldaten, dankte ihnen mit schmeichelnden Worten und zeichnete jeden mit einem glänzenden Orden aus. Dann wurden ihnen die Waffen abgenommen, die sie für den Krieg erhalten hatten, aber der versprochene Sold wurde den schwer Verwundeten nicht bezahlt. Denn der König sprach: „Nur wer mir Dienste leisten kann, ist auch des Soldes wert.“ Als sie sich darüber beschwerten, wurden sie aus der Königsburg hinausgejagt. Enttäuscht gingen sie nach Hause, denn auch der glänzende Orden war nur aus billigem Blech. Der arme Soldat hatte sich wenigstens einen goldenen Gulden als Sold erhofft, doch nun war er ärmer als zuvor, denn mit seinem verwundeten Arm konnte er nicht einmal mehr richtig arbeiten.

Was bedeutet der König, der nur an sich denkt und nach eigenem Gewinn sucht? Darin können wir wieder das gierige, eigenwillige Ego erkennen, das in seinem körperlichen Reich König sein und herrschen will. Dazu versucht er, sein Reich gegen alle bedrohlichen Feinde zu verteidigen. Die Soldaten, die er dafür braucht, erinnern an den Verstand, mit dem er kämpft und alles in Mein und Dein unterscheidet, in Gut und Böse, Schön und Häßlich, Nützlich und Schädlich. Die Waffen des Verstandes sind vor allem die Gedanken, die wie scharfe Schwerter alles zertrennen, unterscheiden und sogar töten können. So scheint es dem Ego-König zunächst einfach zu sein, den Verstand für seine Ziele zu benutzen, und der Verstand ist zunächst auch gern bereit, ihm als Soldat zu dienen, weil er sich dafür auch selbst einen Gewinn erhoff. Das ist der „Sold“ für den „Soldaten“, der Sinn und Zweck des gedanklichen Verstandes in unserer Welt.

Dafür geht unser Verstand einen schweren und oft leidvollen Weg. Denn es ist natürlich ein mühevoller Kampf, und die schweren Wunden erinnern an unsere leidvollen Erfahrungen, Trennungen und Verluste, die wieder geheilt werden wollen. Doch darum kümmert sich das Ego zunächst wenig, solange es noch genügend Gewinn macht und immer noch überzeugt ist, seine Ziele zu erreichen. Alles andere wird gern weggeblockt, unterdrückt und fortgejagt, wenn es nicht mehr nützlich erscheint. Und viele Menschen glauben wirklich, daß es dann für immer weg ist und nie wieder zurückkommt. So erging es auch unserem Soldaten im Märchen, der wenigstens einen goldenen Gulden von diesem Kampf erhofft hatte, zumindest ein wenig Wahrheit als Sold, wenn wir das Gold als Symbol für die Wahrheit deuten. Denn um dieses reine Gold der Wahrheit kämpft auch im Grunde unser Verstand mit all seinen Gedanken und Sinneserfahrungen, auch wenn wir uns dessen nur selten bewußt sind, weil sich das Leben meistens nur um den Ego-König dreht.

Doch manchmal kommen wir an einen Punkt im Leben, an dem wir vom Ego-König völlig „enttäuscht“ sind und beginnen, sein wahres Wesen zu erkennen. Das geschieht aber vor allem, wenn der Verstand schon so schwer verwundet und verletzt ist, daß er kaum noch kämpfen kann. Dann muß er zwangsweise die gewinnsüchtige Ego-Welt verlassen und sich in den Wald der Vorstellungen zurückziehen, in das Reich seiner Erinnerungen, und dort nach Nahrung suchen:

So ging er in einen großen Wald und suchte dort nach etwas Nahrung, um wenigstens sein armes Leben zu erhalten. Da fuhr ihm plötzlich ein wunderbar verführerischer Duft von frischer Kräutersuppe in die Nase, und er verfolgte die Duftspur, bis er an einem alten Waldhaus stand. Neugierig schaute er sich um. Da trat ihm eine nicht weniger verführerische Jungfrau entgegen. „Wohin des Weges?“, fragte sie. Er schaute sie erstaunt an und bat um etwas zu Essen. Da führte sie den Soldaten ins Haus, wo ein großer Kessel auf einem Herdfeuer mit duftender Suppe kochte. Davon gab sie ihm eine große Schüssel, und er aß sich satt, das erste Mal seit vielen Tagen. Sie blickte den Soldaten an und sprach: „Willst du mir ein paar Dienste tun, dann sollst du noch mehr davon bekommen. Du kannst mir Holz hacken und den Garten umgraben.“ Der Soldat zeigte ihr die tiefe Wunde am Arm, doch sie meinte, das sei kein Hindernis, holte eine Kräuterpaste, trug sie auf und in kurzer Zeit war die Wunde verheilt. Der Soldat dankte von Herzen, und so blieb er zwei Tage im Waldhaus, hackte einen großen Berg Holz und grub den ganzen Garten hinter dem Waldhaus um. Doch als er am Morgen des dritten Tages etwas früher als sonst erwachte, hörte er einen seltsamen Gesang. Er öffnete ein wenig seine Augen und erblickte anstatt der schönen Jungfrau eine alte häßliche Hexe, die den Kessel auf dem Feuer umrührte und sang:

„Teufelswurz und Schneckenschleim,
Bald gehst du mir auf den Leim.
Dreimal ist die Suppe fein,
Wirst mein Mann für immer sein.
Noch bist du jung und schlau,
Doch bald sind deine Tage grau.“

Erschrocken schloß er seine Augen. Doch als die Hexe bemerkte, daß der Soldat aufwachen wollte, drehte sie sich flugs im Kreis herum, und die schöne Jungfrau rief: „Guten Morgen!“ Sie setzte ihm wieder eine Schüssel mit duftender Suppe vor, doch dem Soldaten saß der Schrecken noch im Leib. Er ergriff hastig sein Bündel und sagte, daß er nun fortwolle und auch keinen Hunger mehr habe, denn das Heimweh drücke ihm auf den Magen. Doch die Jungfrau stellte sich ihm in den Weg und rief: „Ist das der Dank für die Heilung deiner Wunde!? Ich werde dich nur ohne Groll gehen lassen, wenn du mir noch einen letzten Dienst tust.“ Der Soldat ließ sich überreden, und sie erklärte ihm, er solle nur noch das Feuerzeug mit dem blauen Licht aus dem vertrockneten Brunnen vor dem Haus herausholen, das ihr da hineingefallen war, und dann könne er gehen. So ließ sie ihn mit der Seilwinde in den tiefen Brunnen hinab. Bald stand er auf dem feuchten Grund und sah in der Dunkelheit das blaue Licht schimmern. Er steckte sich das Feuerzeug in die Tasche und gab ein Zeichen, ihn wieder hinaufzuziehen. Als der Soldat in Reichweite war, streckte sie ihm die Hand entgegen und verlangte das Licht. Doch er ahnte ihre hinterhältige Absicht und sprach: „Ich gebe es dir erst, wenn ich mit beiden Füssen auf festem Grund stehe.“ Da ergrimmte sie fürchterlich, zeigte ihr altes Hexengesicht und rief: „Dann fahr hinab zur Hölle!“ Mit diesen Worten schnitt sie das Seil durch und kehrte in ihr Hexenhaus zurück.

In diesem großen Wald der Vorstellungen finden wir die Welt der Sinne wieder, das Wesen der körperlichen Natur, und auf dieser Spur auch die alte Hexe, die hier haust und für die Körperlichkeit sorgt. Über diese Hexe haben wir schon viel geschrieben, über die „Hagazussa“, die den Hag bzw. Zaun bewacht. Und dieser Zaun ist vor allem unsere Körperhülle mit den Sinnestoren und unterscheidenden Gedanken. Die fünf Sinne und Gedanken erinnern an die Zahl Sechs, lateinisch „Sex“ und griechisch „Hexa“, woher vielleicht auch das Wort „Hexe“ kommt. Im Märchenfilm wird sie auf vorzügliche Weise dargestellt und sogar die verführerische „Sexualität“ bzw. „Sex-Dualität“ kommt dort nicht zu kurz. So hütet sie das Waldhaus als unser Körperhaus im Wald der Vorstellungen und kocht in ihrem großen Kessel unsere Nahrung, wie die chemische Küche in unseren Körperzellen. Dem jungen Soldaten bzw. Verstand zeigt sie sich zunächst verführerisch, wie auch unser Körper in der ersten Lebenshälfte erscheint. So hat sie auch die Macht, die körperlichen Wunden zu heilen und gibt aus ihrer chemischen Küche dem Körper die nötige Kraft.

Aber dafür verlangt sie, daß wir ihr dienen: Das Feuerholz für ihren Kessel zu zerhacken und zu spalten erinnert an das geistige Feuer, das für die chemische Küche in unserem Körper nötig ist. Auch dafür muß der Verstand im Spiel der Trennung und Unterscheidung sorgen. Das Umgraben des Gartens erinnert an das Kultivieren und Fruchtbarmachen der Erde, damit die gewünschten Pflanzen, Bäume und Früchte wachsen. Die drei Tage erinnern an die drei großen Lebensabschnitte. Und es ist wohl gut für den Verstand, im Jugend- und Erwachsenenalter dafür zu sorgen, um den Körper zu erhalten. Doch dann kann es geschehen, daß wir eines Morgens erwachen, das häßliche Alter vor uns sehen und einen schrecklichen Gesang hören. Soll unser Verstand für immer dieser Körperlichkeit dienen? Sollen wir nur auf die grauen Tage des Alters hinarbeiten, wenn uns die körperlichen Sinne und Kräfte verlassen? Oder gibt es für den Verstand noch mehr in dieser Welt zu erreichen?

Dann möchten wir an diesem dritten Tag lieber in unsere Heimat fliehen. Doch die Hexe fordert noch einen Dienst, den wir aus Dankbarkeit nicht verwehren. Auch das ist gut. Der Brunnen erinnert an unser Unterbewußtsein, das uns dunkel erscheint, und wo die Lebensquelle im Alter zu vertrocknen droht. Von dort sollen wir der Hexe noch ein Feuerzeug heraufholen, und wir vermuten natürlich, um ihr Herdfeuer immer wieder neu zu entzünden. Doch offenbar hat die Hexe kein Interesse daran, daß der Verstand diesen Tag überlebt. Er soll das Lebenslicht abgeben und sterbend in die dunkle Hölle bzw. Höhle des Todes fallen. Ja, so stellen wir uns gewöhnlich den natürlichen Lauf der Generationen vor. Und dieses Prinzip können wir überall in der Natur sehen, im großen Wald der Vorstellungen, wo die alte Hexe haust.

Doch unser Soldat beginnt zu erwachen, und der erwachende Verstand will das Lebenslicht nicht abgeben, bevor er nicht „auf festem Grund steht“. Was bedeutet das?

Der Soldat fiel hinab in die Tiefe, aber der feuchte, weiche Boden bewahrte ihn vor größerem Schaden. Er richtete sich im Dunkeln auf und sprach zu sich selbst: „Was bin ich doch für ein dummer Kerl!“ Dann setzte er sich traurig an die Brunnenwand, kramte seine Tabakspfeife aus der Tasche und meinte nachdenklich: „Das soll nun mein letztes Vergnügen sein…“ So nahm er das Feuerzeug mit dem blauen Licht und zündete sich damit die letzten Krümel Tabak an, die noch in der Pfeife waren. Doch Wunder! Sobald der erste Rauch aufstieg, kam daraus ein Mann hervor, der in edler Dienerkleidung vor ihm stand und fragte: „Was kann ich für Euch tun, mein Herr?“ Erstaunt sprang der Soldat auf und rief: „Wer seid ihr?“ Er antwortete: „Gute Frage! Ich habe schon viele Namen getragen. Doch in Wahrheit bin ich alle und niemand, jedermann und keiner, Lichtgestalt und Dunkelgeist. Ich kann Euch keinen Namen nennen, aber ich kann Euch jeden Wunsch erfüllen.“ - „Jeden Wunsch?“, fragte der Soldat mit großen Augen. - „Ja, stellt mich auf die Probe.“ - „Gut, dann führt mich aus diesem dunklen Loch heraus!“ Darauf sprach der Diener: „Taj, dafür gibt es viele Möglichkeiten: Schnell und geradewegs nach oben in die gewohnte Welt. Oder etwas schwieriger durch die Brunnenwand mit Überraschung. Oder…“

So fällt nun der Verstand in die Tiefe und sitzt auf dem Grund, aber in der Dunkelheit, weit entfernt vom weltlichen Licht. Das Seil als Symbol der Bindung an den Wald der Vorstellungen, wo die Hexe haust, ist zerschnitten, und damit ist er in gewisser Weise auch frei davon. Doch gerade das Ungebundensein fürchten wir, weshalb wir uns gern an diesen Wald binden. Ist das nun ein Ende, wie wir uns den Tod in der Dunkelheit vorstellen? Unser Soldat glaubt wohl noch daran. Trauer und Zweifel überwältigen ihn, wie uns der Tod gewöhnlich als ein trauriger Verlust des Lebens erscheint. So soll nun das letzte Vergnügen seines Lebens noch eine Tabakspfeife sein. Doch daraus folgt eine wundervolle Symbolik:

Was bedeutet das blaue Licht? Das blaue Licht ist vor allem als Lila oder Violett ein typisches Grenzlicht am oberen Frequenzspektrum des sichtbaren Lichtes, das wir mit unseren Augen wahrnehmen können, an der Grenze zum unsichtbaren Ultraviolett. Es ist also die höchste Lichtfrequenz, die wir noch sehen können, sozusagen das „Himmelslicht“. So sehen wir praktisch unsere ganze Welt zwischen Himmelblau und Feuerrot:

Auch die biologische Wirkung ist interessant, denn blaues Licht fördert tagsüber die Konzentration, kann aber abends den Schlaf stören, weil es die Schlafhormone hemmt. Damit erinnert diese Eigenschaft bereits an das geistige Erwachen im reinen Licht des reinen Bewußtseins. Über das Wesen des Lichtes haben wir in anderen Märchen schon viel nachgedacht. So wissen wir, daß hinter allem sichtbaren Licht ein formloses Licht steht, das für sich selbst jenseits von Raum und Zeit ist. Und wie im reinen Licht alle Formen erscheinen, wie in einem Film auf der Kinoleinwand, so ist auch das reine Bewußtsein formlos, kann aber jede Form annehmen. Damit bildet das Bewußtsein eine ähnliche Grenze zum Sichtbaren wie das blaue Licht. In der Physik kennen wir dazu den Begriff der Information, die alles formieren und formen kann, aber selbst unsichtbar und nur an ihrer Auswirkung erkennbar ist. Und wie man das Bewußtsein als Grund von allem betrachten kann, so sagen auch moderne Quantenphysiker, daß die Information der Urstoff des Universums ist. In diesem Licht könnte also auch der Soldat den Grund von allem erkennen, auf dem er als Verstand mit beiden Füssen sicher steht.

In dieser Hinsicht können wir das „blaue Licht“ in diesem Märchen als ein Symbol für das reine Bewußtsein betrachten. Was kann man nun mit diesem Licht machen? Man kann es in die Tasche stecken, so daß es zum dunklen Unterbewußtsein wird. Man kann aber auch ein wirksames Feuer damit entzünden, und dafür ist das Feuerzeug als „Zeuge des Feuers“ ein gutes Symbol. Denn durch Bewegung erzeugt es Feuer, vor allem aber auch durch die Trennung von Zeuge und Bezeugtem, Subjekt und Objekt. Damit wird eine Wirkung sichtbar, in der eine Ursache verbrennt. So kann man in diesem Feuer etwas verbrennen und auswirken, in unserem Fall den Tabak, also getrocknete Pflanzen, die symbolisch an angesammeltes Karma erinnern, das sozusagen getrocknetes Leben ist. In der Folge erscheint gewöhnlich ein Rauch, der symbolisch an einen Nebel der Illusion erinnert, der verschiedenste Formen annehmen kann. Und dazu ist wieder der Verstand gefragt, was er in diesem Rauch alles erkennen kann.

Auf diese Weise könnte man sich vorstellen, wie im Licht des Bewußtseins, diese ganze Schöpfung erscheint, und wie sich darin unsere Wünsche erfüllen können. Ein weiteres Symbol ist die Pfeife, in der wir mit unserem Lebensatem das Feuer anfachen und den Rauch ein- und ausatmen. Symbolisch erinnert das Wort „Pfeife“ auch an ein Hilfsmittel, um jemanden zu rufen oder aufzuwecken. Im Märchen erscheint daraufhin ein dienender Mann bzw. Geist, der unsere Wünsche verstehen und verwirklichen kann. Ja, im Grunde alle Wünsche, aber auch abhängig und begrenzt vom Karma-Rauch. Und zur Verwirklichung kann man immer aus einem Meer der Möglichkeiten wählen und schöpfen.

Zugegeben, das klingt alles sehr kompliziert, ist aber die gewöhnliche Welt unseres unterscheidenden Verstandes. Die ganzheitliche Vernunft könnte einfach sagen: „Alles ist Bewußtsein, bewegtes Wissen im Sein.“ In diese vernünftige Richtung kann sich auch unser Verstand entwickeln, wenn er es schafft, sich vom Egoismus der Trennung zur Ganzheit zu befreien. Und solche wunderbaren Wege werden in solchen wunderbaren Märchen symbolisch beschrieben. Welchen Weg wählt nun der Soldat?

Der Soldat wählte die Überraschung, und der Diener öffnete eine geheime Tür in der Brunnenmauer, die in eine wunderbare Schatzkammer führte. Es war der Schatz der alten Hexe, und dem Soldaten gingen die Augen über. Er behängte sich mit Goldketten, füllte seine Taschen mit goldenen Gulden, setzte sich eine Goldkrone auf den Hut und rief: „Ich bin reich!“ Der Diener stand daneben, strich mit der Hand über einen ausgebleichten Totenkopf, der etwas abseits im Schatz lag, und murmelte: „Des Menschen Habgier ist sein Höllenreich.“ Der Soldat verstand die Worte, legte Ketten und Krone wieder ab, leerte seine Taschen und nahm nur drei goldene Gulden mit, die er als seinen rechtmäßigen Sold betrachtete. Dann wünschte er sich etwas Gutes zu essen, und der Diener sprach: „Tja, da gibt es viele Möglichkeiten: Schwein, Rind, Huhn, Lamm oder Fisch. Gemüse, Früchte, Dessert…“ Er wünschte sich von allem etwas an reicher Tafel und dazu noch neue Kleidung und Schuhe. Sogleich stand er draußen in der grünen Natur vor einer fürstlich gedeckten Tafel im Sonnenschein. Doch bevor er zugreifen konnte, wurde er noch gebadet und vornehm eingekleidet. Dann bat ihn der Diener, nun auch wie ein vornehmer Herr zu speisen, und verschwand. Nachdem der Soldat ausgiebig gespeist und edlen Wein getrunken hatte, setzte er sich in den Schatten eines alten Baumes. Dort kramte er seine Tabakspfeife hervor, entzündete sie am blauen Licht, und sobald der Rauch aufstieg, stand der Diener wieder neben ihm und fragte, was er wünsche. Da verstand er den Zusammenhang, wie der Diener immer aus dem Rauch erscheint, wenn er seine Pfeife am blauen Licht entzündet hatte.

Die steinerne Brunnenmauer können wir als ein Symbol betrachten, wie sich der Verstand in dieser Welt in eine materielle Körperlichkeit und auch in festgefügte Vorstellungen einmauern kann, die ihm schließlich undurchdringlich erscheinen. Daß aber Materie gar nicht so fest und beständig ist, wie sie uns gewöhnlich erscheint, das weiß mittlerweile auch unsere moderne Physik. Wenn wir es also wirklich wünschen, dann kann uns der dienende Geist helfen, in dieser Mauer geheime Türen zu öffnen, die zu einem unvorstellbaren Schatz führen. Es ist das Gold der Wahrheit, das die alte Hexe in der verkörperten Materie versteckt hat. Ja, es ist das Gold der Wahrheit, das wir im Grunde alle mit unserem Verstand in der Welt suchen, um endlich so reich zu sein, daß es an nichts mehr mangeln kann.

Was ist Wahrheit? Philosophisch könnte man sagen: Das, was war, bevor etwas wurde. Und die Endung „heit“ deutet bereits auf eine Ganzheit hin. So ist auch die Wahrheit im Grunde nichts anderes als das formlose Bewußtsein, das alle Formen annehmen kann. Doch unser Verstand stürzt sich vor allem auf die Formen des Goldes, wie es auch dem Soldaten erging. Dann wird auch das Gold der Wahrheit zu schweren Ketten der Bindung oder zu goldenen Kronen eingebildeter Herrschaft. Es ist aber auch das begehrte Geld, von dem wir hoffen, uns alles Gewünschte kaufen zu können. In dieser Hinsicht ist es also auch der Sold, den sich der Verstand im weltlichen Kampf als Lohn erhofft. So kann man mit dem Gold der Wahrheit den Weg in den Himmel gehen, aber auch in die Hölle. Und das scheint unser Soldat langsam zu verstehen, wie auch das Wesen des blauen Lichtes. Denn darin liegt die wahre Stärke des Verstandes, nämlich im Erkennen von Zusammenhängen, so daß am Ende ein Großes und Ganzes daraus werden kann. Das ist der Weg zur Ganzheit. Dazu wünscht er sich zunächst, von allem etwas zu essen, das heißt, vielfältige Erfahrungen in einer vielfältigen Natur zu machen. Doch nicht mehr als gemeiner Soldat im Dienst eines Ego-Königs oder einer alten Hexe, sondern als freier Mann mit edlem Geist, der edlen Wein trinkt. Was fehlt nun noch?

Der Soldat wünschte sich, zunächst in die Stadt zurückzukehren. Der Diener sprach: „Tja, da gibt es viele Möglichkeiten, sich zu vergnügen. Wonach steht Euch der Sinn, mein Herr?“ Der Soldat antwortete: „Ich habe noch eine Rechnung mit dem König offen.“ - „Oh!“, sprach darauf der Diener: „Das kling dann wohl eher nach Kerker.“

So kam der Soldat als Edelmann in die Stadt. Auf dem Marktplatz traf er viele Leute, die dort ihre Waren kauften und verkauften. Eine junge, liebreizende Bauernfrau bot rote Rosen aus ihrem Garten an. Er kaufte eine duftende Blüte und bezahlte dafür freigiebig mit einem goldenen Gulden. Die Frau war überglücklich und dankte von ganzem Herzen. Die Rose schenkte er dann einem alten blinden Bettler am Wegesrand, der traurig dastand und seine Hand austreckte. Danach ging er weiter, um die vielfältigen Waren zu bestaunen. Ein kleiner Junge beobachtet ihn schon eine ganze Weile, um dann beiläufig ein Gespräch zu beginnen. Doch hintenherum griff er nach dem Geldbeutel des Edelmann, riß ihn vom Gürtel und rannte damit schnell davon. Der Soldat verfolgte ihn in wilder Jagd durch die halbe Stadt, bis er ihn fassen konnte. Da flehte der Junge um sein Leben und gestand, daß seine Eltern krank sind und sie nichts mehr zu essen haben. Nachdenklich schaute er dem Jungen tief in die Augen, der ihm zitternd den Geldbeutel zurückgab. Da schenkte er dem Jungen den zweiten goldenen Gulden, auf das treuherzige Versprechen hin, daß er nie wieder stehlen werde und ihm dazu noch den besten Gasthof in der Stadt zeige. So geschah es. Der Edelmann bezog ein prächtiges Gästezimmer und bezahlte den Wirt mit dem dritten goldenen Gulden, daß sich dieser vor Freude gar nicht tief genug verneigen konnte.

Was fehlt nun noch zum Glück auf dem Marktplatz dieser Welt? Die Liebe, die er bei der Hexe nicht gefunden hatte? Wo kann man sie finden? In dieser Hinsicht können wir in der jungen, liebreizenden Bauernfrau die Seele der Natur sehen, die rote Rosen aus ihrem Garten anbietet. Die Rose erinnert an die Schönheit und Liebe, aber auch an die Dornen des Leidens in der Natur. War sie den goldenen Gulden wert?

Der alte blinde Bettler erinnert uns an die grauen Tage, von denen die alte Hexe gesungen hatte. Was war im Leben schiefgelaufen, wenn man im dritten Lebensabschnitt als blinder und vor allem trauriger Bettler auf dem Marktplatz der Welt steht? Um das zu verhindern, gibt es für den Verstand wieder viele Möglichkeiten: Auf die Wohltätigkeit des Königs hoffen, so daß es keine Armut mehr im Land gibt. Oder durch fleißiges Arbeiten selber viel Geld verdienen, vom Tellerwäscher zum Millionär oder besser noch Milliardär. Mit Geld spekulieren, oder in eine reiche Familie einheiraten. Oder die Sicherheit von Versicherungen, wie Kranken-, Pflege- und Sozialversicherung, Haftplicht-, Haushalts- und Lebensversicherung. Oder vieles mehr… All diese Erfahrungen kann der Verstand machen, um daraus zu lernen. Was ist Sicherheit? Was ist Armut? Kann man Armut mit Geld besiegen? Was bedeutet das Geschenk der Rose?

Als dritten trifft er einen Jungen. Darin können wir symbolisch das Leben selbst sehen, die Kraft und das Prinzip des Lebens, das sich körperliche immer wieder erneuert. So erscheint das Leben manchmal wie ein Dieb, der uns alles stehlen will, vor allem wenn die Eltern krank sind. Das heißt, wenn im Laufe der Generationen das Heil der Wahrhaftigkeit verlorenging, der Egoismus herrscht und in der Trennung Mangel und Armut regieren. Ist dieser Junge einen goldenen Gulden wert?

Der Gasthof erinnert uns symbolisch an den Körper, in dem der Verstand leben, sich ernähren und übernachten will. Der Wirt selbst ist dann eine Art des Verstandes, der sich um die Erhaltung des Körpers kümmert. Und dafür sind wir gewöhnlich gern bereit, auch den letzten goldenen Gulden zu opfern. Wunderbar!

Am Abend, als der Soldat im Zimmer allein war, zündete er mit dem Feuerzeug seine Pfeife am blauen Licht an, und im ersten Rauch erschien sogleich der Diener und fragte: „Was kann ich für Euch tun, mein Herr?“ Der Soldat antwortete: „Ich habe mit meinen Kameraden dem König treu gedient. Aber er hat uns ohne Sold weggejagt und hungern lassen.“ - „Ah“, sprach der Diener, „Ihr sinnt auf Rache! Da gibt es viele Möglichkeiten: Wollt Ihr seine Schatzkammer plündern? Ihn in den Kerker sperren? Sein Schloß in Schutt und Asche legen? Ein Wort genügt…“ Der Soldat erwiderte: „Nein, ich sinne auf Gerechtigkeit. Bring mit das Wertvollste, was der König hat!“

Bald darauf, als die Nacht hereingebrochen war, ging die Tür auf und der Diener stand mit einer schlafenden Prinzessin im Arm vor ihm. Der Soldat schaute ihn erstaunt an und rief: „Du solltest mir doch das Wertvollste bringen!“ Der Diener legte die Schlafende auf dem Bett nieder und antwortete: „Ja, und ich habe Euren Wunsch erfüllt. Das ist das einzige Kind des Königs und seine Alleinerbin. Ihre Mutter war zeitig gestorben, und nun liebt sie der König in Erinnerung an seine Königin wie seine eigene Seele. Dazu hat er noch Großes mit ihr vor, denn er will sie demnächst an den Nachbarkönig verheiraten, um seine Herrschaft zu erweitern. Manche sagen auch, er will sie mit größtem Gewinn verkaufen. Ja, soviel ist sie ihm Wert, wie sein eigenes Leben und ein ganzes Königreich.“ Der Soldat schaute die schöne Jungfrau an und fragte: „Und nun? Was soll ich mit ihr tun?“ - „Tja, da gibt es viele Möglichkeiten: Ihr könntet sie gefangenhalten und den König erpressen. Oder Ihr macht sie zu Eurer Magd und laßt sie arbeiten. Geht mit ihr fort und verkauft sie. Oder geht mit ihr im Mondschein spazieren.“ - „Ja, gute Idee!“, rief der Soldat spontan: „Letzteres werde ich tun…“

Bald darauf erwachte die Prinzessin im Mondschein auf einer weichen Wiese an einem idyllischen Waldsee. Verwundert schaute sie sich um und glaubte zu träumen. Neben ihr saß ein edler Mann, und sie fragte: „Wo bin ich? Wer seid Ihr?“ Er nannte seinen Namen und sprach etwas schüchtern: „Ich habe Euch geholt, um mit Euch spazieren zu gehen.“ - „Wie könnte Ihr es wagen?!“ - „Verzeiht! Wollt Ihr gleich wieder zurück, dann sagt es.“ Die Prinzessin schaute sich vorsichtig um. Der Wald rauschte, eine Nachtigall sang in der Ferne, Glühwürmchen tanzten im Dunkeln, Frösche quakten im Teich, und sie fühlte das weiche Gras ringsumher. Davon hatte sie schon lange geträumt, nur einmal den goldenen Käfig zu verlassen, wo sie so viele Jahre eingesperrt war, und im Mondschein draußen im Wald spazieren. Da nahm er die Prinzessin an die Hand und führte sie zum See, wo ein kleines Boot auf sie wartete. Schnell sprang sie hinein. Dann saßen sie zusammen im Boot und ließen ihre Füße ins warme Wasser baumeln. Ringsherum blühten die Teichrosen, und alles atmete sommerlichen Frieden und Liebe. Auch die beiden hatten ihre Liebe gefunden und wünschten, diese Nacht würde nie vergehen. Doch gegen Morgen erschien der Diener am Ufer. Der Soldat winkte ihm zu und sprach zur Prinzessin: „Leider wird uns dieser Wunsch nicht erfüllt werden. Das ist mein treuer Diener. Er hat dich geholt und wird dich auch sicher wieder ins Schloß zurückbringen.“ Die Prinzessin schaute dem Soldaten tief in die Augen, gab ihm einen Kuß und sprach: „Versprich mir, daß du mich morgen wieder holst!“ Er versprach es, und die Prinzessin wachte voller Begeisterung in ihrem Bett auf und konnte es kaum erwarten, ihrem Vater zu erzählen, was ihr wie ein Traum erschien.

Die Ehe von König und Königin erinnert uns symbolisch an die Ehe von Geist und Natur, die sich verbinden und schließlich auch fruchtbar vereinigen sollen. Doch die Königin war gestorben, das heißt, eine tote Natur, wie wir sie auch heute noch von der Naturwissenschaft und Physik kennen. Warum stirbt die Natur an der Seite eines Ego-Königs? Was ist Tod? Trennung vom Leben? Auch darin zeigt sich das trennende Ego-Wesen.

Was jedoch nie sterben kann, ist die Seele der Natur, das fruchtbare Prinzip der Verursachung. So können wir auch in der Prinzessin die Seele wiederfinden, die natürlich für den Ego-König das Wertvollste ist, um in der Welt wirken zu können, auch wenn es ihm nur um Eigennutz geht. Ja, das ist die Seele der Natur, die im Mondschein des Geistes beschrieben wird. Der edle Verstand beginnt, sie wahrhaft zu lieben, und sie sucht diese Liebe des edlen Geistes.

Ist das alles ein Traum? Ja, man könnte es als einen Traum betrachten, als ein Spiel der Illusion im Rauch, der mit dem blauen Licht geschaffen wurde. Aber nicht ohne Wirkung und Wirklichkeit. Das sind die Spuren des Traums auf den Wegen der Welt, Spuren aus vielen kleinen Samen im Spiel von Ursache und Wirkung:

Der König war davon wenig begeistert und ahnte wohl, daß es nicht nur ein Traum war. Er sah seine Heiratspläne bedroht. So ging er unbemerkt in ihr Zimmer, füllte die Tasche ihres Nachtkleides mit kleinen Hirsesamen und machte unten ein Löchlein hinein, um die Spur zu verfolgen. In der Nacht erschien wieder der Diener und brachte die schlafende Prinzessin in die Stadt, wo der Soldat bereits auf sie wartete. Doch sie bemerkten den Trick des Königs. Und als die Prinzessin erwachte, konnte sie es kaum glauben, daß ihr Vater sie verfolgen ließ. Aber der Diener sprach: „Ich kümmere mich darum. Vergnügt Euch nur!“

So gingen sie auf eine Bauernhochzeit, wo die ganze Nacht hindurch gefeiert, getanzt, gefiedelt und gesungen wurde. Voller Freude lernte die Prinzessin das natürliche Glück des einfachen Volkes kennen. Die glückliche Braut war die liebreizende Bauernfrau, die er auf dem Markt beschenkt hatte, und sie holte den verliebten Soldaten schon bald zum Tanz. Denn es war ein alter Hochzeitsbrauch, daß jeder männliche Gast einmal mit der Braut tanzen sollte. An der großen Hochzeitstafel saß auch der blinde Bettler, der die duftende Rose im Knopfloch trug und sich des Lebens erfreute. Auch der kleine Junge war dabei, umarmte den Soldaten und berichtete, daß es seinen Eltern wieder besser gehe, und sie nun genug zu essen haben. Und während der Soldat mit der Bauernbraut tanzte, holte der Junge die Prinzessin zum Tanz. So verging die Nacht glücklich wie im Flug, und am Morgen erwachte sie wieder im Schloß des Vaters.

Schon zeitig begab sich der König mit seinen Soldaten in die Stadt, um die Spur der Hirsesamen zu verfolgen. Aber was für eine Überraschung! Die Spur führte in jedes Haus der Stadt, überall, wo Menschen wohnten. Der König wurde zornig und rief: „Das lass ich mir nicht bieten! Morgen wird ihre Hochzeit gefeiert!“ Er kehrte in sein Schloß zurück, sagte der Prinzessin, daß er sich dieses Treiben nicht mehr länger anschaue. Er habe den festen Entschluß gefaßt, daß schon morgen ihre Hochzeit mit dem Nachbarkönig stattfinden soll, um die beiden Reiche zu verbünden. Ohne auf eine Antwort zu warten, sperrte er die Prinzessin in ihr Zimmer ein und ließ es von seinen Soldaten streng bewachen. Sie wußte gar nicht, wie ihr geschieht, war von ihrem Vater zutiefst enttäuscht und verletzt, und konnte kaum die Nacht abwarten, daß der Diener kam und sie holte.

Hier wird nun das Wesen der Seele näher beschrieben. Die Seele der Natur ist ein ganzheitliches Wesen, das kein Ego-Geist nur für sich besitzen kann. Daher führt ihre Spur in jedes Körperhaus, wo es Leben gibt. Und auf der Hochzeit zwischen Geist und Natur darf natürlich jeder Gast mit ihr tanzen. Denn die Natur hat nur eine Seele, durch deren Liebe die geistige Einheit in der vielfältigen Natur erkannt werden kann. Nur der gedankliche Verstand kann hier unterscheiden und begriffliche Trennungen schaffen.

Ja, das waren noch gute alte Hochzeitsbräuche, als jeder Mann von den Gästen einmal mit der Braut tanzen sollte, und jede Frau mit dem Bräutigam. Man kann sich gut vorstellen, wie damit das gemeinschaftliche Dorfleben gefestigt, eingebildete Besitzansprüche hinterfragt und der Egoismus abgebaut wurde. Und man kann sich auch gut vorstellen, wie glücklich sich die Seele auf solchen Hochzeiten gefühlt hat. So beginnt nun auch die Prinzessin, sich vom Besitzanspruch ihres egoistischen Vaters zu lösen, der sie jetzt mit Gewalt zwingen will.

In der Nacht kam der Diener zum dritten Mal und brachte die Prinzessin in das Zimmer des Soldaten. Dort rief sie solgleich: „Wir müssen fliehen! Mein Vater will mich morgen mit dem Nachbarkönig verheiraten.“ Der Diener meinte: „Flucht ist eine naheliegende Idee, denn der König durchsucht bereits die ganze Stadt nach Fremden. Doch dafür gibt es viele Möglichkeiten…“ So begann er, jede Menge berühmte Orte in der Welt aufzuzählen, doch die beiden konnten sich nicht entscheiden. An jedem Ort war irgendetwas auszusetzen, und keiner erschien ihnen völlig sicher. Da klopfte es hart an der Tür, denn der Wirt hatte sie verraten. Mit dem dritten Schlag wurde die Tür gewaltsam aufgebrochen. Der Diener verschwand sogleich, und der erzürnte König stand mit seinen Soldaten im Raum und rief: „Ergreift ihn!“ Die Prinzessin stellte sich vor ihren Geliebten, aber konnte ihn nicht beschützen. Sie wurde weggetragen, trotz aller Proteste. Der Soldat war bald überwältigt, festgenommen, und der König sprach: „Hast du wirklich geglaubt, ich lasse mir von dir das Wertvollste rauben? Dafür erwartet dich der Strick, gleich morgen früh. Schafft ihn in den Kerker!“ Und das ging alles so schnell, daß der Soldat weder seine Pfeife noch das Feuerzeug mitnehmen konnte.

Kann die Flucht vor dem Ego-König eine Lösung sein? Wohin könnte man fliehen, um davor vollkommen sicher zu sein? In jedem Gasthof bzw. Körper kann uns der Wirt verraten. Das gehört wohl auch zum Plan der Schöpfung. So läßt sich der Verstand zunächst viele Möglichkeiten aufzählen. Dieses Spiel mit „dafür gibt es viele Möglichkeiten…“ zieht sich auf wunderbare Weise durch unser ganzes Märchen und deutet das große Meer der Möglichkeiten bzw. Ursachen an, aus dem der Verstand schöpfen kann, um die Ursachen in der Vielfalt der Natur auszuwirken. Oft fällt es uns schwer, dafür eine Entscheidung zu treffen, und noch schwerer, wenn man nicht mehr allein ist und nur für die eigenen Interessen entscheiden muß. Und wenn man noch an die ganzheitliche Seele der Natur denkt, und eine Entscheidung im Interesse aller Wesen treffen soll, dann ist unser gewöhnlicher Verstand zunächst völlig überfordert. Doch daran merken wir, daß unser Soldat durch die Liebe zur ganzheitlichen Seele eine tiefgreifende Wandlung erlebt und auf dem Weg zur ganzheitlichen Vernunft ist. Was fehlt ihm dafür noch? Diese Lücke ist wohl die letzte Gelegenheit für den Ego-König, um mit seinen Soldaten, dem gekauften und geknechteten Verstand, einzubrechen, Geist und Natur zu trennen und seine Herrschaft zu sichern.

Warum verschwand der Diener sogleich, als der zornige König hereintrat? Wo das Ego die Macht ergreift, kann natürlich dieser Diener nicht mehr dienen. Das heißt, er dient wohl, aber man ist sich seiner nicht mehr bewußt. Denn nun trifft der Ego-König alle Entscheidungen, zwingt die Seele der Natur, nimmt den Verstand gefangen, und keine anderen Möglichkeiten stehen mehr offen. Unter diesen Bedingungen kann auch der Soldat das Feuerzeug nicht mitnehmen. Und das ist wohl überhaupt die einzige Möglichkeit, wie jemand dieses blaue Himmelslicht des Bewußtseins verlieren kann, das jeden Wunsch erfüllen könnte. Dann fällt es in den körperlichen Brunnen der Hexe, und der Verstand sitzt im Kerker des Ego-Königs:

Da saß er nun wieder in einem dunklen Loch zwischen dicken Mauern, wie im Brunnen der Hexe, war in schwere Ketten gelegt und konnte kaum eine Hand bewegen. Mit dem Tod vor Augen mußte er doch immer wieder an die Prinzessin denken, die auf ihrem Zimmer eingeschlossen war und bewacht wurde. Diesmal wird sie umsonst auf den Diener warten, der sie dort herausholt. „Ach, hätte ich doch nur meine Pfeife und das Feuerzeug hier“, dachte sich der Soldat, „dann könnte es noch eine Rettung geben.“ Doch wer sollte jetzt noch helfen? Im ersten Morgenlicht, als die Hoffnung immer weiter schwand, hörte er ein leises Rufen durch ein winziges Fenster im Kerker. Es war der kleine Junge, der leise fragte, ob er irgendwie helfen könne. Der Soldat antwortete: „Ja, hol mir meine Tasche mit der Pfeife und dem Feuerzeug aus dem Gasthof.“ Und schnell war der Junge auf dem Weg, kam auch in das Zimmer des Soldaten, doch dort traf er den alten Wirt, der überall nach dem restlichen Geld des Edelmanns suchte, aber keins finden konnte. Der Junge bat freundlich um dessen Tasche, die er ihm bringen solle. Doch der Wirt antwortete: „Glaub mir, der braucht jetzt nichts mehr von dieser Welt!“ Und wollte den Jungen verjagen. Aber der war flink, lenkte den Wirt geschickt ab, ergriff die Tasche und rannte davon.

Wie der Soldat drei Tage im Reich der Hexe verbracht hatte, so verbringt er nun drei Nächte im Reich des Ego-Königs und findet die Liebe seines Lebens. Doch wie er am dritten Tag im Brunnenloch der Hexe mit dem himmelblauen Licht saß, so sitzt er nun in der dritten Nacht im Kerkerloch des Königs mit der feuerroten Liebe. In diesen drei Nächten kann man ebenfalls drei Lebensabschnitte sehen, die sich der Soldat mit den drei goldenen Gulden aus dem Schatz der Hexe erworben hatte. Nun könnte nach der letzten Nacht der große Hochzeitstag folgen, vielleicht sogar ein ewiger Tag, der nicht wie die Mondscheinnacht enden muß.

Doch unser Soldat scheint alles an den Ego-König verloren zu haben. Wer kann jetzt noch helfen? Was fehlt zum ewigen Glück? Nun kann wohl nur das Leben selbst helfen, das ewige Kind, das mit seinem Geschick die Tasche des Soldaten aus dem Gasthof holt, bevor das blaue Himmelslicht wieder in den dunklen, körperlichen Brunnen fällt, ins Unterbewußtsein. Der Wirt hatte wohl Recht, daß unser Soldat jetzt nichts Weltliches mehr braucht. Aber das Licht konnte er auf seiner gierigen Suche nach dem Geld der Welt nicht erkennen. Und so jagte er auch das junge Leben aus seinem Haus, zusammen mit dem Lebenslicht, ohne sich dessen bewußt zu sein. Was für ein Schicksal!

Als der Junge in den Schloßhof kam, wurde der Soldat gerade zum Galgen geführt. König und Nachbarkönig saßen auf einer prächtigen Tribüne, um das Schauspiel ihrer Macht zu genießen. Ringsherum standen jede Menge Soldaten, die jeden Zwischenfall verhindern sollten. Und die Prinzessin konnte durch das Fenster ihres verschlossenen Zimmers zuschauen. Der Nachbarkönig sprach erstaunt: „Oh, eine Hinrichtung vor der Trauung. Welch extravagante Idee!“ Und der König antwortete generös: „Für meinen Schwiegersohn ist mir nichts zu teuer.“ Doch als dem Soldaten die Schlinge um den Hals gelegt wurde, erblickte er unter dem Volk den kleinen Jungen, der mit der Tasche winkte. Da dämmerte ihm neue Hoffnung, und er bat den König vor allen Anwesenden, ihm noch einen letzten Wunsch zu erfüllen. Der König zögerte zunächst, doch fragte dann: „Was für einen?“ Der Soldat antwortete: „Laßt mich noch ein letztes Pfeifchen rauchen.“ Der König lachte und sprach: „Also gut, aber schnell, denn der Bischof wartet für die Trauung. Hat jemand eine Pfeife zur Hand?“ Der Junge trat vor und brachte mit der Erlaubnis des Königs die Pfeife zum Galgen. Weil aber die Hände des Soldaten gefesselt waren, brannte er sie selbst mit dem Feuerzeug im blauen Licht an, reichte sie dem Henker, und der reichte sie dem Soldaten.

Als dieser den ersten Zug genommen hatte und der Rauch aufstieg, saß sogleich der Diener oben auf dem Galgen und fragte: „Was kann ich für Euch tun, mein Herr?“ Der antwortete: „Befreit mich!“ - „Tja, da gibt es viele Möglichkeiten…“ - „Nein, sofort!“ Der Nachbarkönig erkundigte sich erstaunt: „Wo kommt der her? Wer ist das?“ Und der Diener antwortete: „Der Geist der Rache! Für heute…“ Daraufhin sprang er vom Galgen herab, und hatte sogleich einen Knüppel in der Hand. Damit schlug er zuerst den Henker zurück und dann auch alle Soldaten, die ihn auf Befehl des Königs angreifen wollten. Das geschah alles so schnell, gewandt und überzeugend, wie eben das Wesen des Geistes ist, daß ihn bald keiner mehr anzugreifen wagte. Daraufhin befreite er den Soldaten vom Strick, allen Fesseln und Ketten. Der Nachbarkönig hatte mittlerweile die Flucht ergriffen, und man sah ihn nur noch von hinten zum Tor hinauseilen. Nun gingen sie gemeinsam zum König, der verlassen auf seiner prächtigen Tribüne saß und ganz kleinlaut geworden war. „Was soll nun mit ihm geschehen?“, fragte der Diener. Der Soldat antwortete: „Tja, dafür gibt es viele Möglichkeiten: Ich könnte ihn an den Galgen hängen. Oder in den Kerker werfen. Oder gegen ihn kämpfen und vor allen Augen besiegen. Oder zum Knecht degradieren und für mich arbeiten lassen.“ Doch der König schüttelte ängstlich den Kopf und bat um Gnade. Da rief der Soldat: „Ja, ich weiß noch etwas Besseres…“

Der letzte Wunsch vor der Hinrichtung ist auch historisch gut belegt und wird gern als Henkersmahlzeit bezeichnet. Eine Zigarette oder ein Glas Rum waren noch im 19. Jahrhundert verbreitet. Was sollte sich nun unser Soldat als letzten Wunsch im Leben wünschen? Seine ganzheitliche Liebe hatte er gefunden. Doch wie kann er sie nun verwirklichen? Sein letzter Wunsch im Gasthaus ging ja nicht besonders gut aus. So wünscht er sich nun noch einmal den Diener aus dem blauen Licht im Rauch der Illusion. Und als er erschien und wie bisher dem Verstand die Möglichkeiten zur Befreiung aufzählen wollte, da sprach er: „Nein, befreie mich sofort!“ Wow!

Was ist das für eine Befreiung im Hier und Jetzt, jenseits von Zeit und Raum und allen Möglichkeiten irgendwelcher Bedingungen? Darin können wir die ganzheitliche Vernunft erkennen. Denn nur damit kann der Geist die reine Liebe zur ganzheitlichen Seele der Natur verwirklichen, in der es keine Trennung mehr gibt und somit auch keine egoistischen Interessen. Das ist die reine Freiheit von allen Ketten und Bindungen, ja, sogar von der Schlinge des Todes. Das Schwere daran ist, daß man sich nicht eigenwillig davon befreien kann. Dafür braucht der Verstand einen solchen Diener als Geist der Befreiung, den uns das Leben selbst an der Schwelle des Todes bringt, um den Todes-Henker und alle Verstandes-Soldaten zurückzuschlagen. Scheinbar eine Rache, doch im Grunde nur eine Reaktion auf ihr Wesen.

Warum kann man das nicht selber machen? Dann wäre wieder ein Ego dabei, das doch im Grunde das größte Hindernis für die Befreiung zur Ganzheit ist. So kommt nun zum Schluß die komplizierteste Frage für den Verstand: Was macht man mit dem Ego-König. Hier zeigt sich der nächste Wandel des Soldaten, der nun als Vernunft selbst zum Diener wird, denn nur so kann er diesen Diener im blauen Licht des Bewußtseins nie wieder verlieren. Daher kann er nun selbst alle Wünsche erfüllen und zählt auch die Möglichkeiten auf, denn dazu hat er jetzt die Freiheit. Dabei erkennt er klar: Das Ego kann man nicht töten, denn Tod ist Trennung und damit das Wesen des Egos. Das Ego kann man nicht einkerkern, denn auch das ist Trennung. Das Ego kann man nicht im Zweikampf besiegen, denn es lebt vom Kampf der Gegensätze und stärkt sich damit. Das Ego kann man nicht für die ganzheitliche Vernunft arbeiten lassen, weil es Trennung bewirkt. So findet die Vernunft schließlich eine geniale Lösung:

Sein Wunsch wurde sogleich erfüllt. Der Diener ließ den alten König einschlafen, trug ihn in den großen Wald und legte ihn unter einem Baum nieder. Dort erwachte er bald darauf mit einem schrecklichen Hungergefühl, als hätte er tagelang hart gekämpft und nichts zu essen bekommen. Erstaunt schaute er sich um und rief nach seinen Wachen, doch keiner hörte ihn. Aber dafür fuhr ihm ein verführerischer Duft nach köstlicher Kräutersuppe in die Nase. Er sprang auf und folgte der Duftspur durch den Wald… Während die alte Hexe ihren Kessel umrührte und sang:

„Teufelswurz und Schneckenschleim,
Gleich gehst du mir auf den Leim.
Noch einmal ist die Suppe fein,
Wirst mein Mann für immer sein.“

So kümmert sich nun die Hexe um den Ego-König, die äußere, körperliche Natur, die er sich auch selbst zur Ehefrau gewählt hatte. Sie war nie tot, und kann auch nie tot sein, solange die Seele der Natur lebt, vereint mit dem Geist, der lebendig macht. Was nun genau mit dem Ego-König passiert, ist wieder eine Frage unseres Verstandes: Man könnte sich vorstellen, daß er nun im weltlichen Wald der Vorstellungen sich auch seine letzte Henkersmahlzeit wünscht und von der Hexe „hingerichtet“ wird. Doch wohin richtet ihn die körperliche Natur? In den ewigen Tod? Ins ewige Leben? Oder ein ewiges Wandern zwischen Leben und Tod? So können wir uns auch vorstellen, wie er nun den gleichen Weg gehen kann, den der Soldat gegangen ist. Oder einen anderen. Es gibt also wieder viele Möglichkeiten… Praktisch kümmert sich die ganze Schöpfung der vielfältigen Natur um ihn. Und vielleicht ist sie dafür auch geschaffen, damit sich der Geist des blauen Lichtes bewußt werden kann, hinter dem das formlose Bewußtsein steht, das jede Form annehmen und jeden Wunsch erfüllen kann.

Der befreite Soldat eilte ins Schloß, um auch die Prinzessin aus ihrem goldenen Käfig zu befreien, die durch ihr Fenster alles mit angesehen hatte. Nun fiel sich das junge Paar überglücklich in die Arme, und sie küßten sich herzlich. Ja, so wurde an diesem Tag doch noch eine königliche Hochzeit gefeiert, gleich zusammen mit der Königsweihe, und der Bischof war nicht umsonst angereist. Der treue Junge war natürlich auch dabei und wollte dem neuen König das Feuerzeug zurückgeben, das er noch bei sich trug. Doch der bedankte sich und sprach: „Behalte es ruhig, und nutze es gut!“ Auch dieser Wunsch ging in Erfüllung. Hell schimmerte das blaue Licht in der Hand des Kindes. Das Königspaar sah es mit Freude, auch der Bischof, doch noch nicht alle konnten es sehen. So lebte das Paar glücklich vereint, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute als König und Königin in ihrem Reich…

Happy End! Die ganzheitliche Vernunft ist wieder mit der Seele vereint, als Geist und Natur, die in Wahrheit nie getrennt sein können. Dafür haben wir offenbar den Verstand im Leben bekommen, um als Soldat für diese Erkenntnis und unsere geistige Freiheit zu kämpfen. Denn nur ein freier Geist ist fähig, die reine Liebe zu verwirklichen und der Ganzheit zu dienen. Möge diese Vernunft unser König sein, vereint mit der reinen Seele einer lebendigen Natur! OM

Wunscherfüllung

Gibt es wirklich so einen Diener, der alle Wünsch erfüllen kann? Oder ist das nur ein Märchen der Phantasie? Wie kann man sich das praktisch vorstellen?

Was bedeutet „Wunsch“? Man stellt sich einen Zustand vor, und erzeugt dann einen Willen, um diesen Zustand zu erreichen. Es ist sozusagen eine Differenz zwischen einem Ist- und Soll-Zustand in Raum und Zeit. Man könnte sogar von einem Motor des weltlichen Lebens sprechen, ein Antrieb durch Bedürfnis mit einem leidigen Stachel des Mangels, sowohl geistig als auch körperlich. Dann wird der Soll-Zustand zur Begierde, der Ist-Zustand zum Haß, und die Trennung zwischen beiden zum weltlichen Wissen. Ähnlich findet man im buddhistischen Lebensrad diese Prinzipien von Begierde, Haß und Unwissenheit als Achse des Lebensrades.

Wann und wie beginnen meine Wünsche im Leben? Eine erste Antwort wäre: Mit der Geburt. Der erste Schrei eines Babys ist das Bedürfnis nach Atemluft. Bald danach folgen Hunger und Durst nach Nahrung, nach Muttermilch. Und später folgen noch viele weitere Bedürfnisse und Wünsche. Doch wer hatte den Wunsch, körperlich geboren zu werden? War es der Kinderwunsch der Eltern? Und wiederum der Wunsch ihrer Eltern? Darin könnte man eine endlose Kette bis zum Urknall des Universums sehen. Seitdem dreht sich das Lebensrad um die Erfüllung unserer Wünsche. Und wie weit sind wir schon vorangekommen?

Wie auch immer, praktisch wurde Ich in einem Körper geboren, der immer noch viele Bedürfnisse hat. Und zu den körperlichen Bedürfnissen kommen dann noch die geistigen hinzu. Zu ihrer Erfüllung hat sich der Mensch und die Menschheit im Laufe der Zeit viele Strategien ausgedacht und entwickelt: Eigentum, Maschinen, Chemie und vor allem das Geld. Das liebe Geld ist hier besonders interessant. Denn es ist immer mehr zu einem abstrakten Medium geworden, mit dem wir uns auf dem Marktplatz der Welt alle Wünsche erfüllen wollen. Und „abstrakt“ bedeutet, daß es selbst kaum noch eine Form hat, aber viele Formen annehmen kann. Das ist höchst erstaunlich! Denn damit erinnert uns das Geld schon sehr an das Wesen des Bewußtseins, das selbst formlos ist, aber alle Formen annehmen kann. So kann man tatsächlich viele Gemeinsamkeiten zwischen Geld und Bewußtsein finden: Zuerst die übliche Erfahrung, daß wir glauben, es gewinnen, besitzen und verlieren zu können. Dazu kommt die Erfahrung, daß es um so mehr abnimmt, je mehr man sich davon Formhaftes kauft. So kann man es in etwas Formhaftes verwandeln, aber auch das Formhafte wieder zurückverwandeln. Und schließlich kann man auch für beide zwei prinzipielle Möglichkeiten erkennen: Entweder ich laufe ihm hinterher, oder es läuft mir hinterher. So ist im Grunde auch das Geld nichts anderes als Bewußtsein. Und was bin Ich?

Damit haben wir eigentlich den Diener gefunden, der alle Wünsche erfüllen kann. Doch warum funktioniert es bei mir nicht? Warum bin ich immer noch auf der Suche nach Erfüllung und drehe mich im Lebensrad? Offenbar kann er doch meine Wünsche erfüllen. Und es funktioniert auch. - Das Problem ist nur, daß in unserer Welt viele Wesen leben, die verschiedenste Wünsche haben, die sich eben oft widersprechen. Dadurch erscheint auch die Vielfalt der Natur. Jede Blüte ist ein Wunsch, der sich entfaltet. Wunderbar!

Doch wie kann ich nun alle meine Wünsch erfüllen? Ganz einfach: Indem ich die geistige Einheit in der natürlichen Vielfalt erkenne und aus der Trennung wieder in die Ganzheit komme. Dann erfüllen sich alle meine Wünsche, denn dann ist jeder Wunsch im Universum auch mein Wunsch. Und alles, was geschieht, war eben mein Wunsch. Wie sonst könnte ich mir alle Wünsche erfüllen? Alles klar? Nun muß ich mich nur noch in die Ganzheit wünschen. Simsalabim! Auch dieser Wunsch hat sich erfüllt. Wo sonst könnte ich sein? Gott sei Dank!


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Textinspiration, einige Sprüche und Titelbild: Das blaue Licht, 2010, ARD/Kika
Bilder (teilweise KI-unterstützt) und Text von Undine & Jens / www.pushpak.de
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